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Medizinischer Expertenservice
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Krebsrisiko bei CED: Mesalazin zur Vorbeugung, Koloskopien zur Früherkennung
01.08.05 - Wer immer wieder mit seiner Colitis oder seinem Crohn ringt, stellt sich irgendwann vermutlich selbst die Frage, ob aus der Darmentzündung nicht auch mal ein Krebs werden könnte. Und in der Tat – die Befürchtung ist nicht unbegründet. So hatten Colitis-ulcerosa-Patienten in einer großen Studie ein knapp dreimal so hohes Risiko an einem kolorektalen Karzinom (Darmkrebs) zu erkranken, wie Menschen aus der Allgemeinbevölkerung. Eine entsprechende Studie mit Morbus-Crohn-Patienten gibt es bislang leider nicht. Experten gehen aber davon aus, dass ihre Situation ähnlich ist, wenn die Entzündung auch das Kolon erfasst hat.
Was genau bedingt nun das erhöhte Risiko? „In erster Linie sind es Dauer und Ausdehnung der Entzündung“, sagt Privatdozent Dr. Bodo Klump aus Stuttgart. Darüber hinaus scheinen eine gleichzeitige Gallenwegserkrankung (Primär sklerosierende Cholangitis) oder eine Entzündung des letzten Dünndarmabschnitts (Backwash-Ileitis) eine Rolle zu spielen. Was ist mit dem Alter? „Man kann die vorliegenden Daten so interpretieren, dass jüngere Patienten bei gleicher Erkrankungsdauer ein etwas höheres Risiko tragen als ältere“, äußert sich Klump vorsichtig. Früherkennung kann Leben retten Trotz aller Fortschritte in der Behandlung stirbt jeder zweite Patient mit einem kolorektalen Karzinom innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose. Die Strategie lautet daher, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Eine Möglichkeit dazu ist die langjährige Einnahme von Mesalazin. So steht in den aktuellen Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa, dass Präparate mit diesem Wirkstoff zur Karzinomprophylaxe eingesetzt werden können (siehe dazu auch Spaltentext rechts). Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass dieses Vorgehen eine endoskopische Überwachung (Koloskopie) nicht ersetzen kann. Diese Überwachung dient dazu, Frühstadien des Karzinoms aufzuspüren und schließlich zu beseitigen. Ein Karzinom entsteht nämlich nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich aus Vorstufen. Bei CED-Patienten sind dies so genannte Dysplasien, bösartige Veränderungen der Schleimhautzellen, die sich unter dem Mikroskop identifzieren lassen. Und in diesen frühen Stadien können die allermeisten Patienten geheilt werden. In den Leitlinien wird CED-Patienten daher empfohlen, sich einmal jährlich koloskopieren zu lassen - bei ausgedehntem Befall (Pancolitis) ab dem achten Erkrankungsjahr, bei einer linksseitigen Colitis, die nur den absteigenden Ast des Dickdarms befallen hat, ab dem 12. bis 15. Erkrankungsjahr. Zwischen Koloskopieangst und Karzinomphobie Was die Ärzte so dringlich anmahnen, bringt die Patienten nicht selten in einen Konflikt. Einerseits sind sie nicht gerade erpicht darauf, sich jährlich einer Koloskopie zu unterziehen, die als unangenehm oder gar schmerzhaft gilt, und sie fragen sich vielleicht, ob die Untersuchung wirklich notwendig ist. Andererseits haben sie Angst davor, dass eine etwaige Krebserkrankung nicht rechtzeitig erkannt wird. Wie sich dieser Konflikt in der Praxis lösen lässt, das wollten wir von Dr. Klump wissen. Privatdozent Dr. Bodo Klump ist in der Schwerpunktpraxis „Ambulante Gastroenterologie Stuttgart“ niedergelassen. Er hat sich viel mit dem Krebsrisiko bei CED-Patienten befasst. Nachgefragt Herr Dr. Klump, wie viele Patienten, die sich jährlich koloskopieren lassen sollten, tun dies auch? Klump: Ich schätze, dass die Rate insgesamt unter 20 Prozent liegt. Allerdings dürfte das von Zentrum zu Zentrum stark variieren. Meiner Erfahrung nach kann man die Patienten sehr gut motivieren. Wodurch? Klump: Wir wissen heute, dass bestimmte Patienten ein erhöhtes Risiko haben. Dieses Risiko ist überschaubar und lässt sich mit einem Früherkennungsprogramm gut überwachen. Und wir wissen, dass dieses Programm Sinn macht. Aus mehreren – wenn auch kleineren – Studien geht hervor, dass Patienten, die an der Früherkennung teilnehmen, seltener an einem kolorektalen Karzinom sterben als die, die daran nicht teilnehmen. Der erste Schritt zur Motivation ist, die Patienten über diese Hintergründe aufzuklären. Der zweite, ihnen eine gute Koloskopie anzubieten. Was heißt das? Klump: Die Koloskopie darf vor allem nicht als schmerzhaft erlebt werden. In den meisten Fällen lässt sich das auch ohne Sedierung erreichen. Wenn aber anatomische Besonderheiten – etwa eine Verengung – vorliegen, sind schmerzstillende und sedierende Medikamente durchaus sinnvoll. Patienten sollten ihren Arzt daher ganz offen nach seiner Vorgehensweise fragen. Dazu gehört auch die Zahl der Biopsien, die er während der Untersuchung nimmt. Weicht sie deutlich vom empfohlenen Schema ab, sollte dies begründet werden (siehe auch Randspalte, die Red.). Sollten sich Patienten auch dann koloskopieren lassen, wenn ihre Erkrankung nur wenig aktiv ist? Klump: Es gibt keine eindeutigen Daten, die das Krebsrisiko in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung quantifizieren. Die klinische Erfahrung zeigt aber, dass auch eine geringe Aktivität mit einem erhöhten Risiko einhergehen kann, sodass sich auch diese Patienten im empfohlenen Rahmen koloskopieren lassen sollten. Gibt es Alternativen zur Koloskopie? Klump: Viel versprechend aber leider noch nicht praxisreif sind Stuhltests, die bestimmte genetische Veränderungen im Rahmen der Krebsentstehung nachweisen können. Die virtuelle Koloskopie, bei der Daten eines Computertomogramms zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden, ist zur Früherkennung nicht geeignet. Bis auf weiteres wird die Koloskopie mit einem Endoskop daher das beste Verfahren zur Früherkennung bleiben. |
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Die richtige Überwachung
Wichtigster Bestandteil der Koloskopie ist die Entnahme von Gewebeproben. Diese so genannten Biopsien erfolgen nach einem bestimmten Schema sowie überall dort, wo der Untersucher eine verdächtige Stelle entdeckt. „Insgesamt kommen so 40 bis 50 Proben zusammen“, sagt Dr. Bodo Klump, Stuttgart. Zeigt sich unter dem Mikroskop eine höhergradige Dysplasie, raten Experten zur Proktokolektomie. Dabei wird der Dickdarm entfernt und ein ileoanaler Pouch angelegt. Nur in seltenen Fällen muss der Dünndarm über einen künstlichen Ausgang ausgeleitet werden. „Bei allen Vorbehalten gegenüber einer Proktokolekolektomie sollten die Patienten bedenken, dass sie damit das Risiko für ein kolorektales Karzinom, im Falle einer Colitis ulcerosa auch die CED selbst ausschalten“, so Klump. Mesalazin zur Krebsprävention Eine Untersuchung hat gezeigt, dass die tägliche Einnahme von mindestens 1,2 Gramm Mesalazin das Risiko für Dickdarmkrebs bei Colitis-ulcerosa-Patienten um 75 Prozent reduzieren kann. Die Patienten in der Untersuchung hatten Mesalazin dazu über mindestens fünf Jahre hinweg eingenommen. Zusätzliche Informationen zur Langzeitzeitbehandlung mit Mesalazin erhalten Sie in der gleichnamigen Broschüre, die Sie hier bestellen können. Mehr zur Karzinomprophylaxe Beitrag in der Ärztezeitung... |
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