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Kein Bock auf Pillen
01.07.05 - "Wozu soll ich eigentlich Tag für Tag was einwerfen, mir geht's doch längst wieder gut!" So denkt mancher Patient, der weiter Micropellets, Tabletten, Rektalschaum und Zäpfchen nehmen soll, obwohl sein Schub längst abgeklungen ist. Und von Tag zu Tag wird die Versuchung größer, die Medikamente zu entsorgen. Die haben aber auch dann noch ihren Sinn, wenn Bauchkrämpfe verschwunden sind und der Stuhlgang normal ist.

So empfehlen die Fachgesellschaften in ihren Leitlinien, dass Patienten mit einem chronisch aktiven Morbus Crohn zum Erhalt der beschwerdenfreien Zeit (Remission) zum Beispiel längerfristig Azathioprin einnehmen sollten. Bei allen Colitis-ulcerosa-Fällen wird zur Stabilisierung der Remission üblicherweise ein 5-ASA-Präparat wie Mesalazin über mindestens zwei Jahre verwendet. Einer Studie zufolge sehen das aber längst nicht alle Patienten ein.

Vergesslichkeit und Überforderung
In der Studie von Kane et al. (2001) wurde untersucht, inwieweit Patienten mit einer Colitis ulcerosa in Remission ihr Mesalazin verordnungsgemäß einnahmen. Es zeigte sich, dass dies nur 40 Prozent taten, 60 Prozent ließen die Medikamente weg oder nahmen sie in einer deutlich geringeren Dosis. Mediziner sprechen dann von einer Non-Compliance (von englisch to comply, soviel wie eine Abmachung einhalten) oder mangelnden Therapietreue. Eine Nachlässigkeit, die Folgen haben kann.

Denn eine weitere Studie von Kane et al. (2003) zeigte, dass neun von zehn Colitis-Patienten in Remission über zwei Jahre in Remission bleiben, wenn sie ihr Mesalazin einnehmen. Von denen die das nicht tun, bleiben nur vier von zehn vor einem Rezidiv - also einem Wiederaufleben der Erkrankung - verschont. Umgekehrt hatten sich 82 Prozent aller Patienten, die in dieser Studie ein Rezidiv erlebten, non compliant verhalten.

Eine Non-Compliance kann viele Gründe haben. Jeder zweite Studienteilnehmer gab an, die Einnahme zu vergessen, ein knappes Drittel fühlte sich von der Zahl der Tabletten überfordert und jeder fünfte dachte, er würde nicht so viele Medikamente brauchen. "Patienten in Remission sehen die Medikamenteneinnahme tatsächlich lockerer als Patienten in einer akuten Phase", bestätigt auch Dr. Albert Eimiller, niedergelassener Gastroenterologe in München. Schließlich hat der Patient ja keinen Leidensdruck mehr, der ihn bei der Stange hält, und er erlebt auch keine positive Wirkung. Ganz im Gegenteil: "Treten unter der remissionserhaltenden Therapie irgendwelche Beschwerden auf, werden die – berechtigt oder nicht – den Medikamenten angelastet", so Eimiller. Und die Tabletten verstauben oder landen im Klo.

Partner in der Behandlung
Eimiller versucht daher, seine Patienten in die Verantwortung zu nehmen und sie quasi zu Partnern in der Behandlung zu machen. "Man muss ihnen erklären, was man erreichen kann und mit welchen Mitteln man es erreichen kann. Und die Patienten selbst wählen aus, was für sie am ehesten in Frage kommt. Sind sie mit diesem Ansatz nicht mehr zufrieden, dann besprechen wir das und suchen gemeinsam nach anderen Wegen", beschreibt Eimiller seine Vorgehensweise.

Offenheit und Vertrauen auf beiden Seiten lautet also die Devise. Denn kaum etwas fürchten Ärzte so sehr, wie eine Situation, in der der Patient seine Medikamente nicht mehr nimmt und sie nichts davon wissen.

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Dr. Albert Eimiller

Dr. Albert Eimiller, München
Gastroenterologe

"Patienten sollten ihren Arzt unbedingt informieren, wenn sie ihre Medikamente nicht mehr nehmen wollen!"



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