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Gemischtes Doppel: die oral-rektale Kombinationstherapie mit Mesalazin
19.06.06 - Patienten mit Colitis ulcerosa gelangen schneller in Remission und haben seltener einen erneuten Schub, wenn sie orales Mesalazin durch rektale Darreichungsformen ergänzen.

Mesalazin (5-Aminosalizylsäure oder 5-ASA) ist das Mittel der Wahl, wenn Patienten mit einer Colitis ulcerosa einen leichten bis mittelschweren Schub erleiden. Bei stärkeren Entzündungen werden zusätzlich Kortison-Präparate (Glukokortikosteroide) eingesetzt. Anders als viele andere Substanzen, muss Mesalazin nicht in den Blutkreislauf aufgenommen werden, um zu wirken. Es wird direkt aus dem Darminneren in die Schleimhaut aufgenommen, hemmt die Entzündung und kann bei vielen Patienten eine beschwerdenfreie Phase (Remission) einleiten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Mesalazin in ausreichender Konzentration an die Entzündungsherde im Verdauungstrakt gebracht wird.

Bei einer Colitis ulcerosa liegen diese Herde in jedem Fall in den unteren Abschnitten des Dickdarms, da die Erkrankung immer dort ihren Ausgang nimmt. Bleibt der Befall auf den Mastdarm (Rektum) beschränkt (Proktitis), sollten nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen bevorzugt Mesalazin-Zäpfchen zum Einsatz kommen. Sind Rektum und das Sigmoid betroffen (Proktosigmoiditis), sind ein Mesalazin Rektalschaum oder Klysmen am besten geeignet. Sie transportieren den Wirkstoff bis in diese Darmabschnitte, je nach individueller Anatomie auch weiter. Hat die Entzündung auch den linken Ast des Dickdarms erfasst (Linksseitenkolitis), sollten zusätzlich orale Formen von Mesalazin (Tabletten, Pellets, Micropellets) eingenommen werden.

Bequemlichkeit mit Folgen
Aus Gründen der Bequemlichkeit nehmen viele Colitis-ulcerosa-Patienten nur orales Mesalazin ein und verzichten auf die rektalen Darreichungsformen. Allerdings geht damit wertvolles therapeutisches Potenzial verloren.

Aus Tabletten, Pellets und Micropellets wird Mesalazin zwar vom letzten Abschnitt des Dünndarmes (terminales Ileum) über den gesamten Verlauf des Dickdarmes bis zum Rektum freigesetzt. Allerdings verteilt sich die mit diesen Darreichungsformen zugeführte Wirkstoffmenge gleichmäßig auf diese Darmabschnitte. Entzündungen in den letzten Abschnitten des Dickdarms benötigen für eine schnelle und effiziente Abheilung aber besonders viel entzündungshemmendes Mesalazin.

Erst durch die gleichzeitige Gabe oraler und rektaler Mesalazin Medikamente lassen sich ausreichend hohe Wirkspiegel in der gesamten Dickdarmschleimhaut und damit ein optimaler Therapieeffekt erzielen.

Bessere Wirkung, weniger Steroide
Dass orales plus rektales Mesalazin in Kombination viel besser wirkt als bei alleiniger Gabe („Monotherapie“), ist durch viele Studien belegt. So verglichen Safdi et al. den Effekt der Kombinationstherapie und der Monotherapien bei akuten Entzündungen. Bei Patienten mit Linksseitenkolitis, die gleichzeitig mit oralem und rektalem Mesalazin behandelt worden waren, besserte sich die Krankheitsaktivität deutlich schneller und verlässlicher als bei Patienten, die nur mit oralem oder rektalem Mesalazin behandelt worden waren.

Beispielsweise dauerte es unter der kombiniert oral plus rektalen Mesalazinbehandlung durchschnittlich nur 12 Tage bis rektale Blutungen abgeklungen waren, unter einer Monotherapie aber 25 bzw. 26 Tage. Unter der oral-rektalen Kombinationsbehandlung waren zudem nach einer Woche mehr Patienten ohne Blut im Stuhl als bei alleiniger oraler Behandlung nach sechs Wochen.

Bei ausgedehnten akuten Entzündungen wurde bislang eine Therapie allein mit oralem Mesalazin empfohlen. Eine kürzlich durchgeführte klinische Studie zeigte aber, dass die Therapie mit oralem plus rektalem Mesalazin auch für Patienten mit einer ausgedehnten Colitis ulcerosa optimal ist. Diese Studie deutet auch an, dass es möglicherweise ausreicht, die rektalen Mesalazin Darreichungsformen nur bis zum endgültigen Abklingen der Symptome einzunehmen und die Behandlung dann mit oralem Mesalazin allein fortzuführen.

Weiter zeigten zwei Studien von d’Albasio et al. und Frieri et al., dass auch Patienten in Remission von der Kombinationstherapie mit oralem plus rektalem Mesalazin profitieren. Besonders bei Patienten, bei denen es trotz einer remissionserhaltenden Behandlung mit ausreichend dosiertem oralem Mesalazin zu einem erneuten Aufflammen der Entzündungen kommt, kann es sinnvoll sein, zusätzlich rektales Mesalazin anzuwenden. Dabei wird das orale Mesalazin in unverändert hoher Dosierung jeden Tag eingenommen. Je nach individuellem Risiko kann es aber durchaus ausreichen, Mesalazin rektal nur alle zwei oder drei Tage zusätzlich anzuwenden. So können auch bei Patienten mit hohem Risiko erneute Entzündungen sehr zuverlässig vermieden werden. Zudem spart man so Kortison-Präparate (und natürlich auch deren Nebenwirkungen) ein, die zur Behandlung erneuter Entzündungen evtl. notwendig wären.

Übrigens zeigen alle Studien, bei denen Mesalazin kombiniert eingesetzt wurde, dass die Kombinationsbehandlung genauso gut verträglich und sicher ist, wie die alleinige Behandlung mit oralem Mesalazin. Sprechen Sie das Thema Kombinationsbehandlung mit Mesalazin daher bei Ihrem Arzt an, wenn Sie
  • Ihre Entzündung und die damit einhergehenden Symptome schneller loswerden wollen,
  • unnötige Kortison-Präparate einsparen wollen,
  • sicher und zuverlässig über lange Zeit ohne Entzündungen bleiben wollen.

Quellen:
Safdi et al. The American Journal of Gastroenterology 1997
Frieri et al. Digestive and Liver Disease 2005
d’Albasio et al. The American Journal of Gastroenterology 1997

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Dickdarmabschnitte
Der Dickdarm gliedert sich in das Kolon mit seinem aufsteigendem Ast (im Bild links, Colon ascendens), dem querverlaufenden Ast (im Bild oben, Colon transversum) und dem absteigenden Ast (Colon descendens). Daran schließen sich das Sigmoid (Colon sigmoideum) und schließlich der Mastdarm (Rektum) an.

Darreichungsformen
Die Darreichungsform eines Wirkstoffs entscheidet darüber, auf welchem Wege er verabreicht wird. Orale Formen (z.B. Tabletten) werden über den Mund eingenommen, rektale (Zäpfchen, Einläufe) über den After. Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unserem Brennpunktbeitrag "Galenik". Dort erfahren Sie auch, worin sich die verschiedenen Darreichungsformen unterscheiden und welche Vorteile etwa der Rektalschaum gegenüber einem konventionellen Klysma hat.
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