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Medizinischer Expertenservice
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Tabakrauch – ist der Saulus manchmal ein Paulus?
06.11.06 - Das Rauchen hat bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa einen völlig gegensätzlichen Einfluss auf die Erkrankung. Im ersten Fall schadet es, im zweiten schützt es. Sollten Colitis-Patienten demnach schleunigst zum Glimmstengel greifen?
Dass Rauchen die Gesundheit schädigt ist allgemein bekannt. Zu den Folgen zählen vor allem Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs, aber auch der Morbus Crohn tritt bei Rauchern häufiger auf und nimmt bei ihnen einen komplizierteren Verlauf als bei Nichtrauchern. Weit weniger bekannt ist, dass der Griff zum Glimmstengel auch vor Erkrankungen schützen kann. So leiden Raucher beispielsweise seltener als Nichtraucher an Morbus Parkinson. Darüber hinaus sind sie offenbar auch besser gegen eine Colitis ulcerosa gefeit: Das Risiko, im Laufe des Lebens daran zu erkranken, ist bei Rauchern nicht einmal halb so groß wie bei Nichtrauchern. Tritt dennoch eine Colitis ulcerosa auf, verläuft sie in der Regel milder. Ein- und dasselbe Verhalten entfaltet bei den beiden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen also völlig gegensätzliche Effekte. Ein Rätsel, nicht nur für Patienten. Chemie-Cocktail Tabakrauch Mit jedem Zug an der Zigarette nehmen Raucher rund 4.000 verschiedene chemische Substanzen in den Organismus auf – darunter 50 krebserregende. Welche dieser Substanzen für welche Effekte des Rauchens verantwortlich sind, lässt sich kaum ermessen. Der am besten untersuchte und bekannteste Inhaltsstoff ist das Nikotin. In kleinen Mengen, wie sie bei mäßigem Rauchen aufgenommen werden, wirkt Nikotin anregend auf viele Organe und das Zentralnervensystem. Mit steigender Dosis wird es jedoch schnell zu einem starken Gift, das zum Tod durch Atemlähmung führen kann. Das Nikotin ist auch derjenige Inhaltsstoff, der häufig mit den gesundheitsschädlichen Wirkungen des Tabakrauches in Verbindung gebracht wird. Das mag für einige dieser Wirkungen auch zutreffen, für die meisten vermutlich nicht. Im Gegenteil: Manche Forscher gehen davon aus, dass Nikotin für die wenigen günstigen Effekte des Rauchens verantwortlich sein könnte und spekulieren sogar über einen therapeutischen Einsatz. CU: Besserung unter Nikotin-Pflaster Aus Studien geht hervor, dass der positive Effekt des Rauchens bei der Colitis ulcerosa tatsächlich vom Nikotin ausgeht. So konnte gezeigt werden, dass unter der Behandlung mit einem Nikotinpflaster mehr Patienten mit aktiver Erkrankung beschwerdenfrei werden (Remission) als unter Plazebo. Allerdings waren die Nikotin-Pflaster nicht effektiver als eine konventionelle medikamentöse Therapie, führten aber häufiger zu Nebenwirkungen. Warum Nikotin diesen günstigen Einfluss auf die Erkrankung hat, ist nicht klar. Die Ergebnisse aus Tierversuchen und klinischen Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Substanz die Aktivität von Immun- und Entzündungszellen dämpft, die Schleimhautbarriere im Darm stärkt, die Darmbeweglichkeit herabsetzt und die Produktion von körpereigenem Kortison ankurbelt – alles Wirkungen, die bei einer Colitis ulcerosa vorteilhaft sein können. Unverständlich bleibt jedoch, warum dann das Rauchen einen ausgesprochen negativen Einfluss auf den Morbus Crohn hat. Manche Forscher vermuten, dass dies weniger mit dem Nikotin als viel mehr mit anderen Substanzen aus dem Tabakrauch zu tun hat. Tatsächlich hatte rektal und oral verabreichtes Nikotin in einer kleinen, nicht publizierten Studie keinen negativen Einfluss auf die Erkrankung. Einige Patienten besserten sich sogar etwas. MC: Rauchverzicht lohnt sich Des Rätsels Lösung könnte im Mechanismus der Krankheitsentstehung zu finden sein. Morbus-Crohn-Patienten haben gehäuft ein bestimmtes Muster an Erbanlagen, das mit einer eingeschränkten Funktion der Immunabwehr im Verdauungstrakt einhergeht. Das Rauchen – so die Vermutung - könnte die Immunabwehr weiter beeinträchtigen, sei es durch direkte Hemmung der Abwehrzellen, sei es durch giftige Substanzen im Rauch, die die Durchblutung der Darmwand behindern. Was auch immer den Zusammenhang begründet, der nachteilige Effekt des Rauchens auf die Entstehung und den Verlauf des Morbus Crohn ist gut belegt. In Studien konnten Patienten, die mit dem Rauchen aufhörten, ihr Risiko für einen erneuten Schub im Vergleich zu jenen, die weiter rauchten, signifikant senken, in einer Untersuchung gar um 65 Prozent. Damit ist der Rauchverzicht ähnlich wirksam wie eine immunsuppressive Therapie. Darüber hinaus ließen sich durch die Maßnahme Steroide und immunsuppressive Medikamente einsparen. CED-Patienten: was tun? Für rauchende Morbus-Crohn-Patienten ist die Empfehlung eindeutig: Weg mit dem Glimmstengel! Aber was ist mit Colitis-ulcerosa-Patienten, die nicht rauchen? Sollen sie nun plötzlich Zigaretten drehen oder Pfeifen stopfen? Dazu schreibt Dr. Gareth Thomas vom University Hospital of Wales (UK) in einer Veröffentlichung sinngemäß: „Wir würden unseren Patienten nicht empfehlen, mit dem Rauchen zu beginnen. Allerdings wären sie verärgert, wenn sie per Zufall von den Zusammenhängen erfahren würden. Wir informieren sie daher, sodass sie eine eigene Entscheidung treffen können. Abgesehen von seltenen Ausnahmen hat jedoch keiner unserer Patienten mit dem Rauchen begonnen.“ Es dürfte auch kaum einen Arzt geben, der seinen Patienten ernsthaft dazu rät. Zu vielfältig und massiv sind die gesundheitlichen Schäden durch den blauen Dunst. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts, stirbt heute jeder zweite chronische Raucher an den Folgen seiner Sucht - ein hoher Preis für einen potenziellen therapeutischen Effekt, der auch mit Medikamenten zu erzielen ist. Quellen: McGrath et al. Transdermal nicotine for induction of remission in ulcerative colitis. The Cochrane Database of Systematic Reviews 2006 Issue Thomas et al. Mechanisms of disease: nicotine – a review of its actions in the context of gastrointestinal disease. Nature Clinical Practice Gastroenterology & Hepatology 2005;2(11): 536-544 Johnson et al. Review article: smoking cessation as primary therapy to modify the course of Crohn's disease. Aliment Pharmacol Ther Apr 2005; 21(8) :921-31 Deutsches Ärzteblatt Jg. 100 Heft 39 26. September 2003 Cosnes et al. Smoking cessation and the course of Crohn’s disease : an intervention study. Gastroenterology 2001;120: 1093-1099 |
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Nikotin ist die wesentliche psychoaktive Komponente im Tabakrauch und kann süchtig machen. Daher ist es für viele Raucher so schwer, von den Zigaretten wieder los zu kommen. Aber es lohnt sich: Schon innerhalb weniger Wochen verbessert sich die Durchblutung der Lungen und nach ein bis drei Jahren ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auf dem Niveau eines Nichtrauchers. Mittlerweile gibt es umfassende Ratgeberliteratur, Kurse und Therapien, die bei der Entwöhnung helfen. Mögliche - und manchmal umstrittene - Elemente sind zum Beispiel Motivation, Nikotinersatz, Akupunktur, Hypnose, Verhaltenstherapien oder Aversionstherapien. Bei letzteren wird versucht, das Rauchen mit unangenehmen Erfahrungen zu verknüpfen, etwa durch exzessives Rauchen. Wenn Sie das Rauchen aufgeben möchten, fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse nach Kursen. Manche Kassen belohnen die Teilnahme auch im Rahmen eines Bonusprogrammes mit einer Beitragsrückvergütung. |
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