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Spitzenwerkzeug in erfahrenen Händen
04.12.06 - Ultraschall-Untersuchungen sind bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vergleichsweise beliebt. Die Prozeduren dauern nicht lange, sie sind absolut schmerzfrei und erfordern keine besondere Vorbereitung. Da fragt sich so mancher Betroffene, ob man damit nicht ganz auf die eher unangenehmen Endoskopien verzichten kann.

„Leider nicht“, sagt Oberarzt Dr. Wolfgang Kratzer. Der Gastroenterologe von der Uniklinik Ulm muss es wissen, denn Ultraschalluntersuchungen (Sonografien) zählen zu seinen Spezialgebieten. „In der Hand eines erfahrenen Arztes ist die Methode zwar sehr hilfreich, allerdings ist sie nicht in allen Krankheitsstadien einer CED aussagekräftig genug.“

Erstdiagnose: Sonografische Hinweise sind keine Beweise
Nehmen wir als Beispiel einen Patienten, der mit unklaren Bauchbeschwerden zur Untersuchung kommt. Nachdem Kratzer ihn zur Krankengeschichte befragt hat, wird er einen so genannten Darmschall durchführen und nach verdickten Darmwänden, erweiterten Darmschlingen oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum suchen. Mit der Power-Doppler-Sonografie kann er zudem erkennen, ob die Darmwand stark durchblutet ist – ein Zeichen für eine Entzündung.

Wie ein Fährtensucher sammelt Kratzer so einen Hinweis nach dem anderen, Experten sprechen von einem Screening. „Findet man etwa eine verdickte Darmwand mit verstärkter Durchblutung, erhärtet dies den Verdacht auf eine CED“, erläutert Kratzer. „Im nächsten Schritt sucht man dann nach weiteren Verdickungen, um so ein Befallsmuster zu identifizieren.“

Sind die betroffenen Darmwandstellen voneinander getrennt und in verschiedenen Abschnitten des Verdauungstrakts lokalisiert, spricht dies für einen Morbus Crohn. Eine durchgängige Verdickung, die auf den Dickdarm beschränkt ist, weist dagegen auf eine Colitis ulcerosa hin. Ob aber tatsächlich eine CED vorliegt und welche es ist, lässt sich aber nur mit dem Endoskop sicher feststellen.

Wozu dient dann überhaupt der Ultraschall, wenn letztlich doch eine Spiegelung notwendig wird? „Die Endoskopie macht man, um sonografische Hinweise auf eine CED zu bestätigen“, stellt Kratzer klar. „Wenn dagegen sonografische und anderweitige Hinweise aus der Krankengeschichte fehlen, dann kann man dem Patienten eine Endoskopie zumindest vorläufig ersparen.“
 
Kaum noch Endoskopien beim Morbus Crohn
Dem Patienten Endoskopien zu ersparen, das ist auch im weiteren Verlauf einer CED möglich. „Stenosen, Fisteln und Abszesse lassen sich mit dem Ultraschall gut nachweisen, und im Schub kann man anhand der Durchblutungssituation feststellen, wo die Entzündungen lokalisiert sind“, sagt Kratzer. Lediglich für Untersuchungen im oberen Dünndarm oder im kleinen Becken sind das Röntgenverfahren nach Sellink bzw. die Kernspintomografie überlegen.

Diese Leistungsfähigkeit der Sonografie kommt vor allem Patienten mit Morbus Crohn zugute. „Wir endoskopieren diese Patienten nur noch wenn der Dickdarm stark betroffen ist“, sagt Kratzer. Der Grund: Bei Morbus Crohn mit ausgeprägtem Dickdarmbefall ist - wie auch bei der Colitis ulcerosa - das Risiko für einen Dickdarmkrebs erhöht. Regelmäßige Spiegelungen (Koloskopien) sind in diesen Fällen dringend zu empfehlen, da sich nur so frühe Stadien der Gewebsentartung erkennen lassen, die mittels Ultraschall nur unzureichend erkannt werden können.
Videoclip Darmschall
Wie sich eine Darmverengung im Ultraschall darstellt, sehen Sie, wenn Sie auf den nachstehenden Link klicken. Sie benötigen dazu eine Player-Software (z.B. Windows Media Player) und eine DSL-Verbindung ins Internet.

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3.000 Untersuchungen als Minimum 
Screening und Verlaufskontrolle, daneben auch Ultraschall-gestützte Steuerung von Biopsienadeln zur Abszesspunktion – trotz ihrer technischen Möglichkeiten ist die Sonografie immer nur so gut, wie der Arzt, der sie anwendet. „Das gilt zwar für andere Verfahren auch, aber die Sonografie ist in diesem Zusammenhang noch ein bisschen anspruchsvoller“, räumt Kratzer ein.

Wie viel Erfahrung ein Arzt braucht, um beim Darmschall treffsichere Befunde zu erheben, ist mittlerweile gut belegt. „3.000 Untersuchungen sollte man schon gemacht haben“, so Kratzer. „Erst mit diesem Hintergrund kann man das Gesehene sicher einordnen und auch die Grenzen des Verfahrens abschätzen.“
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Ganz oben
Die vom Schallkopf ausgesandten Ultraschallwellen werden an der Grenze zwischen unterschiedlich dichten Geweben zumindest teilweise reflektiert und vom Schallkopf wieder aufgenommen. Aus diesem "Echo" entsteht das Ultraschallbild.

2. von oben
Querschnitt durch einen Dickdarmabschnitt (Sigma). Die dem Darminneren zugewandte Schleimhaut (Mukosa) ist echoarm und erscheint dunkel. Nach "außen" schließen sich weitere Darmwandschichten an: die Submukosa (echoreich und hell) und die Muskularis (echoarm und dunkel). Der Stuhl ist echoreich und damit hell. Eigentlich müsste er den Innenraum ausfüllen. Hier ist die Darmwand jedoch so verdickt, dass er sich durch einen schmalen Spalt quetschen muss und nur noch als weißer Streifen in der Bildmitte zu sehen ist ("Restlumen").

3. von oben
Längsschnitt durch den Dünndarm mit dem Power-Doppler. Die orangefarbenen Flecken stellen die in der Darmwand verlaufenden Blutgefäße dar. Die intensive Färbung weist auf eine verstärkte Durchblutung und damit Entzündung hin.
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