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Medizinischer Expertenservice
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„Ich bin mit meinem Verhalten vollauf im Reinen“
75 Jahre Morbus Crohn. Wie eine Erkrankung zu ihrem Namen kam.
26.02.07 - Wer von seinem Arzt die Diagnose Morbus Crohn erhält, der wird auf Grund dieses Schicksals automatisch zum Gedenken an Burril B. Crohn gezwungen. Der amerikanische Gastroenterologe schaffte es mit einer gehörigen Portion Geltungssucht, aber auch mit Cleverness und Kompetenz, der Erkrankung seinen Namen zu geben - und andere dabei auszustechen. Eine Geschichte von Triumphen und Enttäuschungen. Wenn eine Erkrankung mit dem Begriff Morbus beginnt, dann folgt in der Regel der Name des Entdeckers oder Erstbeschreibers. So auch im Falle des Morbus Crohn. In kurzen Lexikoneinträgen erfährt man meist nichts zur Herkunft des Begriffes, in längeren Beschreibungen wird auf den amerikanischen Gastroenterologen Burrill B. Crohn verwiesen. Und nur in Fachartikeln erfährt man, dass an der Entdeckung der Erkrankung auch noch andere Personen maßgeblich beteiligt waren. Drei Väter einer neuen Erkrankung Es war Oktober 1932, als in dem angesehenen Journal of the American Medical Association ein Beitrag erschien, der als wesentliche Beschreibung des Morbus Crohn gilt. Ihr Titel lautete „Regional ileitis: A pathological and clinical entity“. Bereits im ersten Absatz wurden alle wesentlichen Aspekte genannt, die auch aus heutiger Sicht zu der Erkrankung gehören. Da ist von einer akuten oder chronischen Entzündung die Rede, die vor allem junge Leute betrifft, die mit Geschwüren und Narbenbildung einhergeht, mit Verengungen und Fistelbildung. Einziger Fehler war, dass man die Erkrankung auf den Dünndarm beschränkt sah. Daher rührte auch der Begriff Ileitis im Titel, also Entzündung des Ileums, des letzten Dünndarmabschnitts. Als Autoren der Publikation zeichneten Burrill B. Crohn, Leon Ginzburg und Gordon D. Oppenheimer, drei Gastroenterologen, die damals am Mount Sinai Hospital in New York arbeiteten und gemeinsam der Erkrankung auf der Spur waren. Warum aber gingen dann Ginzburg und Oppenheimer nicht in die Namensgebung mit ein, wie es bei anderen Erkrankungen ja auch der Fall ist? 14 Fälle einer ungewöhnlichen Darmerkrankung „Es gibt da mehrere Wahrheiten“, sagt Lloyd F. Mayer, Professor für Gastroenterologie an der Mount Sinai Medical Scool. Über seine Arbeitsstätte ist er der Historie eng verbunden und hat die Autoren teilweise noch persönlich gekannt. Fakt ist, dass Ginzburg und Oppenheimer bis Anfang der 1930er Jahre 52 Fälle dokumentiert hatten, in denen Patienten an einer ungewöhnlichen Darmerkrankung litten. Es handelte sich nicht um die damals bereits bekannte Colitis ulcerosa, denn die Symptome betrafen vor allem den Dünndarm. „Ginzburg und Oppenheimer fassten daraus zwölf Fälle zusammen, die Charakteristika aufwiesen, wie wir sie heute von Crohn-Patienten kennen“, sagt Mayer. Über einen Kontakt zum Mount Sinai Hospital bekam auch Crohn von der Sache Wind. Er steuerte zwei von seinen Patienten bei, die ganz ähnliche Symptome aufwiesen. Und man beschloss, die Befunde zu publizieren. Zwei konkurrierende Vorträge Anfang Mai 1932 stellten Ginzburg und Oppenheimer auf einer Tagung der American Gastro-Enterological Association die 14 Fälle vor, wobei sie Crohn namentlich berücksichtigten. Aus dem Vortrag ging auch eine Publikation hervor. Sie fand jedoch nur wenig Echo, obwohl in ihr letztlich die klinischen und pathologischen Eigenschaften einer neuen Erkrankung dargelegt waren. Crohn hatte da mit seinen Aktivitäten ein wesentlich besseres Händchen. Er stellte die 14 Fälle nur zwei Wochen später auf einer Tagung der American Medical Association einem viel größeren Publikum vor – ohne dass Ginzburg und Oppenheimer Erwähnung fanden. Mayer zeigt ein Programm von der damaligen Veranstaltung, das aus den Unterlagen von Ginzburg stammt. An der Seite ist eine handschriftliche Bemerkung von Ginzburg: No mention of Ginzburg or Oppenheimer! „Ginzburg war überhaupt nicht glücklich über die Weise, auf die das durchsickerte“, erinnert sich Mayer. Asher Winkelstein - ein Weggefährte von Ginzburg und Oppenheimer am Mount Sinai Hospital - erinnerte sich 1965, dass auf Grund dieses Vorfalls sogar eine Kommission eingerichtet wurde. Seinen Angaben zufolge kam sie zu dem Schluss, dass die Entdeckung der Erkrankung Ginzburg und Oppenheimer zuzuschreiben war. Aus Rücksicht auf die öffentliche Meinung habe man die Angelegenheit dann aber unter den Tisch gekehrt. „Seit dieser Zeit konnten sich Crohn, Ginzburg und Oppenheimer nicht mehr ausstehen“, kommentiert Mayer. Aber das Glück des Handelns war nun auf Seiten von Crohn. Ein Missionar in eigener Sache Crohn scheute keine Mühen, mit der neuen Erkrankung durchs Land zu reisen, sie öffentlich zu machen und das Wissen um ihre Klinik und Pathologie zu verbreiten. Eine Tatsache, die selbst Ginzburg anerkannte. Hinzu kam, dass die Reihenfolge der Autoren für den oben erwähnten Artikel im Journal der American Medical Association nach dem Alphabet festgelegt wurde – damit stand Crohn an erster Stelle. Crohn selbst fochten Kritik und Zweifel an seinem Vorgehen nicht an. Er behauptete, mit seinem Verhalten in dieser Sache vollauf im Reinen zu sein. Auch habe er keine Verpflichtung gefühlt, Ginzburg in seinen Vortrag vor der American Medical Association einzuschließen. Letztlich sei er es gewesen, der diese klinische Konstellation als eigene Erkrankung erkannt hatte. „Viele stimmen darin überein, dass Crohn kein sehr sympathischer Mensch war“, sagt Mayer. „Er war jung und aggressiv, er wollte die Daten unbedingt publizieren, und er wollte, dass die neue Erkrankung mit seinem Namen assoziiert werden würde.“ Das hatte er dann spätestens 1933 auch geschafft. In diesem Jahr erschien in einem chirurgischen Fachblatt eine Publikation mit dem Titel Chronic cicatrizing enteritis: Regional ileitis (Crohn). A new surgical entity. |
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Burrill B. Crohn (oben), Leon Ginzburg und Gordon D. Oppenheimer (ohne Bild) sind die Erstbeschreiber der heute Morbus Crohn genannten chronisch entzündlichen Darmerkrankung
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