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Dünndarmkrebs: eine äußerst seltene, aber ernstzunehmende Komplikation
20.10.08 - Wenn von Darmkrebs die Rede ist, dann geht es in aller Regel um eine Erkrankung des Kolons oder des Rektums. Tatsächlich sind bösartige Tumoren des Verdauungstrakts ganz überwiegend dort angesiedelt. Ein Krebs kann sich aber auch im Dünndarm entwickeln. Morbus-Crohn-Patienten tragen dafür ein erhöhtes Risiko.

Krebserkrankungen des Dünndarms führen eine Art Stiefkind-Dasein in der Onkologie. Zum einen sind sie sehr selten. In den USA werden pro Jahr „nur“ etwa 5.600 Patienten diagnostiziert, im Vergleich zu rund 80.000 mit einem Dickdarmkrebs. Zum anderen ist der Dünndarm für Untersuchungen schlecht zugänglich. Kein Wunder also, dass man über seine Tumoren nicht sehr viel weiß.

Schädigende und schützende Faktoren
Ein Dünndarmkrebs entwickelt sich entweder aus Drüsen-, Lymph- oder Stützgewebe oder aus neuroendokrinen Zellen, die hormonähnliche Substanzen produzieren. Die Geschwulste heißen nach dieser Herkunft, Adenokarzinom, Lymphom, Sarkom beziehungsweise Karzinoid. In Studien ließen sich Einflussfaktoren identifizieren, die diese Gewebe möglicherweise zur Entartung bringen. Dazu zählen beispielsweise der Genuss von Alkohol oder Zigaretten, rotem Fleisch sowie geräucherten oder gepökelten Nahrungsmitteln. Darüber hinaus scheinen bestimmte Erkrankungen die Krebsentwicklung zu fördern. Neben der Zöliakie – einer Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideeiweiß Gluten – gehört dazu auch der Morbus Crohn.

Das Risiko von Crohn-Patienten, an einem Dünndarmkrebs zu erkranken, schwankt je nach Untersuchung stark. Im Mittel ist es etwa 60-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Besonders hoch scheint es zu sein bei Männern, jungem Erkrankungsalter und bei Vorliegen von Komplikationen, wie Fisteln oder Engstellen. Auch eine berufliche Schadstoffexposition gegenüber Asbest, halogenierten organischen Verbindungen oder Lösungsmitteln scheint sich negativ auszuwirken. Umgekehrt tritt ein Dünndarmkrebs offenbar bei Patienten seltener auf, denen entzündete Darmanteile entfernt worden waren oder die über einen längeren Zeitraum Salicylate erhalten hatten. Unklar ist jedoch, ob diese statistischen Zusammenhänge ursächlich sind.

Schwierige Diagnostik
Das Tückische am Dünndarmkrebs ist, dass er meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird und dann nicht selten als Nebenbefund, etwa im Rahmen einer Operation in der Bauchhöhle. Der Grund ist einfach: Beschwerden macht der Krebs erst spät, und wenn, dann gehen sie nicht selten in der Symptomatik des Morbus Crohn unter. Hinzu kommt, dass der Dünndarm bis vor wenigen Jahren nicht direkt einsehbar war. Heute können die Computertomografie und die Kapselendoskopie verdächtige Befunde zu Tage fördern, daneben auch die Doppelballon-Endoskopie. Allerdings haben auch diese Verfahren ihre Einschränkungen.

So ist der Dünndarmkrebs eine äußert seltene aber ernsthafte Komplikation. Zur Behandlung versuchen Chirurgen, die Geschwulst zu entfernen, der Wert einer Chemotherapie ist unklar. Allerdings sind die Heilungsaussichten – zumal bei fortgeschrittenen Stadien – nicht besonders gut. Die Autoren einer aktuellen Veröffentlichung versuchen daher, aus den wenigen Hinweisen, die die bisherigen Studien erbracht haben, eine Früherkennungsstrategie abzuleiten. Und die hieße, besonders auf jene Patienten zu achten, denen noch keine Darmanteile entfernt wurden oder die Salicylate nicht oder nur für kurze Zeit erhalten haben.

Quellen
Piton et al. Am J Gastroenterol. 2008;103(7):1730-1736
Feldstein et al. Inflamm Bowel Dis 2008;14(8):1154-1157

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Moderne Verfahren zur Untersuchung des Dünndarms

Kapselendoskopie (siehe Bild: Blutung)
Bei der Kapselendoskopie schluckt der Patient eine Miniatur-Video-Kamera, die während der Darmpassage Bilder der Schleimhaut aufzeichnet und an ein Empfangsgerät außerhalb des Körpers überträgt. Die Kamera hat jedoch einen toten Winkel und kann den Darm nicht hundertprozentig ablichten. Zudem gibt es keine Möglichkeit, Gewebeproben zu entnehmen.

Doppelballon-Endoskopie
Bei diesem Verfahren setzt sich das Endoskop aus zwei Teilen zusammen, dem eigentlichen Endoskop und dem Übertubus. Am Endoskop als auch am Übertubus befindet sich ein Ballon. Durch wechselweises Aufblasen der Ballons kann der Dünndarm schrittweise auf den Tubus aufgefädelt und das Endoskop vorgeschoben werden. Die Untersuchung kann sowohl oral als auch rektal erfolgen.
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