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Medizinischer Expertenservice
Sie haben eine spezielle Frage zu Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa? Unser Experte Prof. Dr. med. Andreas Stallmach antwortet Ihnen direkt per e-mail. Weiter... |
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Psychologisch-psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen bei CED – wer braucht sie, was leisten sie?
15.01.09 - Viele CED-Patienten möchten im Rahmen ihrer Behandlung auch psychotherapeutisch betreut werden - viele, aber eben nicht alle. Da stellt sich die Frage, was diese beiden Patientengruppen unterscheidet?
Noch in den 1950er Jahren galten chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) als klassische psychosomatische Erkrankungen. Die Ärzte gingen damals davon aus, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und zwanghafte Charakterzüge Morbus Crohn und Colitis ulcerosa hervorrufen. Dieser Ansatz ist heute zum Glück vom Tisch. „Die Persönlichkeitsstruktur von CED-Patienten weist definitiv keine Besonderheiten auf“, stellt Dr. Ulrike Kulinna, Ärztin an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der TU München, klar. Damit müssen sich Betroffene nicht mehr als psychisch Kranke stigmatisiert fühlen; gleichwohl bleiben seelische Aspekte für sie relevant. Psychische Belastung bei CED-Patienten höher als bei Rheuma In einer aktuellen Studie wurde der Bedarf an psychologisch-psychotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen bei Patienten mit CED und bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis – einer chronisch entzündlichen Erkrankung der Gelenke - verglichen. Die Studienteilnehmer füllten dazu mehrere Fragebögen aus, in denen der Bedarf direkt abgefragt und die psychische Verfassung sowie besondere Lebensumstände erfasst wurden. Dazu zählten zum Beispiel Angst und Sorge um die Zukunft, daneben auch die gefühlte Lebensqualität und die Unterstützung durch das soziale Umfeld. In der Auswertung zeigte sich, dass sich deutlich mehr CED-Patienten eine Betreuung mit psychologischen Behandlungsmaßnahmen wünschten als Rheuma-Patienten (31 Prozent von 302 CED-Patienten gegenüber 13 Prozent von 109 Rheuma-Patienten). Der Unterschied war statistisch signifikant, also nicht auf irgendeinen Zufall zurückzuführen. Auf der Suche nach den Ursachen für diese Diskrepanz stießen die Studienautoren auf signifikante Unterschiede im psychosozialen Status der Betroffenen. CED-Patienten waren häufiger ängstlich und machten sich häufiger Sorgen um ihre Zukunft als Rheuma-Patienten. Zudem konnten sie weniger auf Unterstützung durch ihr soziales Umfeld zählen. Hinzu kommt, dass 59 Prozent der CED-Patienten der Meinung waren, ihre Erkrankung sei psychisch bedingt, während es bei den Rheuma-Patienten nur 22 Prozent waren. Die These vom psychischen Ursprung der CED spukt also immer noch in den Köpfen herum, und möglicherweise erhofften sich die Betroffenen von psychologischen Maßnahmen eine Besserung. In einem weiteren Schritt analysierten die Studienautoren, warum manche CED-Patienten psychologische Behandlungsmaßnahmen wünschten, andere dagegen nicht. Wiederum waren es Sorgen um die künftigen Folgen der Erkrankung, Ängste und ein eingeschränktes Sozialleben, die den Ausschlag gaben. Patienten, die sich sorgen, entwickeln oft ein Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit. Finden sie dann in ihrem Umfeld niemand, der sie unterstützt und auffängt, oder ziehen sie sich selbst zurück, liegt der Bedarf für psychologische Maßnahmen auf der Hand. Besserer Krankheitsverlauf durch psychologische Verfahren Obwohl CED also keine psychischen Ursachen haben, kann der Krankheitsverlauf das psychische Wohlbefinden sehr wohl beeinflussen. Schübe können die Stimmung und das Verhalten der Patienten verändern, die Angst und die Sorge vor der Zukunft zu depressiven Störungen führen. Und umgekehrt scheinen psychologisch ausgerichtete Behandlungsmaßnahmen den Krankheitsverlauf zu bessern. Studiendaten weisen darauf hin. „Psychotherapeutische Verfahren sollten daher als Ergänzung zur gastroenterologischen Therapie im Behandlungskonzept berücksichtigt werden“, sagt Kulinna. Ziel der Verfahren sei es, die Krankheit besser zu bewältigen und mit Gefühlen während eines Schubes besser umgehen zu können. Darüber hinaus gebe es Hinweise, wonach psychotherapeutische Verfahren dazu beitragen, Symptome zu lindern, Schübe zu verkürzen beziehungsweise beschwerdenfreie Intervalle zu verlängern. Kulinna rät daher, bei subjektivem Leidensdruck, mangelndem Antrieb, sozialer Vereinsamung, depressiver Verstimmung und Ängsten mit dem behandelnden Arzt über eine zusätzliche psychotherapeutische Behandlung zu sprechen oder sich direkt an eine psychotherapeutische Ambulanz zu wenden. Quelle: Miehsler et al. Inflamm Bowel Dis Vol. 14 Nr. 9, September 2008 |
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Therapieverfahren
An der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der TU München werden folgende Verfahren angeboten: Körperorientierte Psychotherapie, zum Beispiel Autogenes Training, integrative Bewegungstherapie, Progressive Muskelrelaxation etc. Gesprächspsychotherapie Familientherapie Tiefenpsychologische Verhaltenstherapie Gestaltungs- und Musiktherapie |
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