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Schützt die „Blinddarm-OP“ vor der Colitis ulcerosa?
02.01.06 - Studien zeigen, dass die operative Entfernung des Wurmfortsatzes das Risiko an einer Colitis ulcerosa zu erkranken deutlich vermindert.
Wurmfortsatz! Was soll man von einem Organ mit einem derartigen Namen wohl halten. Zwar ist sein Äußeres damit gut beschrieben, denn das Anhängsel des Blinddarms ähnelt tatsächlich einem Wurm und schlängelt sich mit einer Länge von bis zu 25 Zentimetern durch den Bauchraum. Über die Funktion des Organs sagen hingegen weder der deutsche noch der lateinische Ausdruck (Appendix vermiformis) etwas aus. Aufschluss geben erst Gewebequerschnitte, die den Aufbau der Darmwand in diesem Bereich enthüllen. Unter dem Mikroskop sind dort zahlreiche Lymphfollikel zu erkennen. Sie beherbergen große Mengen an weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die für den Kampf gegen Krankheitserreger bereit stehen. Damit liegt nahe, dass der Wurmfortsatz im Zusammenhang mit der immunologischen Abwehr steht. Wie heftig die Abwehrreaktionen in diesem Organ ausfallen können, wissen all jene, bei denen sich das Organ schon mal entzündet hat. Der Volksmund spricht dann fälschlicherweise von einer Blinddarmentzündung, die ja eigentlich eine Wurmfortsatzentzündung (Appendizitis) ist. Sie geht oft mit Schmerzen und Fieber einher und kann im Extremfall bis zum Durchbruch des Organs führen. Es wird daher meist vorsorglich chirurgisch entfernt (Appendektomie). Allerdings mehren sich die Hinweise, dass der Wurmfortsatz auch im Zusammenhang mit anderen Darmerkrankungen eine Rolle spielt, etwa bei der Colitis ulcerosa. Dies ist aber angesichts der Rolle des Immunsystem des Darmes bei der Entstehung von Entzündungen bei Colitis ulcerosa keine große Überraschung. CU ist seltener und verläuft schwächer nach einer Appendektomie So war in einer Studie aus dem Jahr 2005 (1) das Risiko an einer Colitis ulcerosa zu erkranken bei Personen mit vorheriger Appendektomie um rund zwei Drittel geringer als bei Personen, die ihren Wurmfortsatz nicht entfernen lassen mussten. Der Schluss liegt nahe, dass die Operation einen schützenden Effekt hatte. Die Beobachtung, dass eine Appendektomie das Risiko an einer Colitis ulcerosa zu erkranken reduziert, den Zeitpunkt des Auftretens verzögert oder die Schwere des Verlaufs mildert, wurde zuvor schon in anderen Studien gemacht. (2,3) Widersprüchlich sind die Daten dagegen im Falle des Morbus Crohn. In einer Studie aus dem Jahre 2003 war das Risiko, an dieser CED zu erkranken, nach einer Appendektomie erhöht. Eine Ausnahme davon bildeten nur jene Patienten, bei denen der Eingriff vor dem zehnten Lebensjahr erfolgte (4). Eine andere Studie fand dagegen einen schützenden Effekt der Appendektomie bei Morbus Crohn (3). Der beobachtete Zusammenhang zwischen der Appendektomie und der Colitis ulcerosa ist bislang kaum zu erklären. Allerdings gibt es einige Thesen (5):
Wie immer man das Pferd auch aufzäumt, offenbar hat der Wurmfortsatz eine immunologische Funktion, die – wenn sie gestört ist – Einfluss auf Entstehung und Verlauf der Colitis ulcerosa nimmt. (1) Rodriguez et al. Aliment Pharmacol Ther. 2005;22(4):309-315. (2) Hanauer S. Nat Clin Pract Gastroenterol Hepatol 1(1):26-31, 2004. (3) Radford Smith et al. Gut. 2002;51:808-813 (4) Andersson et al. Gastroenterology. 2003; 124(1):40-6 (5) Geboes K. Nat Clin Pract Gastroenterol Hepatol 2(8): 338-339, 2005 |
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