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Die Darmspiegelung bringt’s
26.03.09 - Eine aktuelle Studie zeigt: Der Blick in den Verdauungstrakt verhindert Krebserkrankungen und krebsbedingte Todesfälle.

Darmkrebs lässt sich heute gut behandeln, wenn er nur in einem frühen Stadium entdeckt wird. In Deutschland haben Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) daher ab dem 56. Lebensjahr Anspruch auf eine Früherkennung per Darmspiegelung (Koloskopie), mit frühester Wiederholung nach zehn Jahren.

Aber längst nicht alle Anspruchsberechtigen nehmen dieses Angebot auch an. Damit vergeben sie eine Chance, sich gesund zu halten. Denn dass die Koloskopie tatsächlich Krebserkrankungen vermeidet, zeigt eine aktuell veröffentliche Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

15.000 Erkrankte weniger
In ihrer Modellrechnung werteten die DKFZ-Forscher alle Untersuchungen aus, die seit Einführung der Koloskopie als Früherkennungsmaßnahme im Jahre 2002 dokumentiert wurden. Als Berechnungsgrundlage diente ihnen die Anzahl jener entdeckten und entfernten Krebsvorstufen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Krebs übergehen. Sie setzten diese Zahl in Bezug zu weiteren Variablen, wie etwa der jährlichen Teilnahmerate an der Koloskopiefrüherkennung. Sie liegt relativ konstant bei rund 4 Prozent für die Frauen und bei 3 Prozent für die Männer.

Die Forscher kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass die Koloskopiefrüherkennung zwischen 2003 und 2010 etwa 15.000 Fälle von Darmkrebs und mindestens 7.500 Todesfälle verhindern wird. „Wenn es uns gelänge, noch mehr Menschen zur Früherkennung zu motivieren könnten noch weitaus mehr Krebsfälle vermieden werden", kommentierte der Studienleiter, Professor Hermann Brenner, diese Zahlen.

Unempfindlicher Stuhltest
Dieser Appell zur häufigeren Nutzung der Koloskopiefrüherkennung wird durch eine weitere Studie unterstützt, die soeben im Deutschen Ärzteblatt erschien. Wissenschaftler von mehreren Kliniken im Raum Leipzig hatten darin die Vorgeschichte von 212 Patienten untersucht, bei denen Darmkrebs diagnostiziert worden war.

Die Wissenschaftler wollten wissen, inwieweit die Patienten vor der Diagnose an Früherkennungsmaßnahmen teilgenommen hatten. Grundlage waren Fragebögen für die Patienten und Interviews mit den betreuenden Hausärzten.

Dabei zeigte sich, dass 105 Betroffene in den zehn Jahren vor der Diagnose keinerlei Früherkennungsmaßnahme genutzt hatten. Von denen, die sich an den Angeboten beteiligt hatten, nutzten 100 den FOB-Test auf verborgenes Blut im Stuhl (FOBT: fäkaler okkulter Bluttest). Das Erstaunliche dabei: Bei 93 der 100 Patienten gab dieser Test keinen Hinweis auf eine Blutung. Experten erklären dies mit der geringen Sensitivität des Tests gegenüber dem Krebs und einer noch geringeren gegenüber den Krebsvorstufen.

Im Gegensatz dazu hatten sich nur 25 Patienten in den zehn Jahren vor der Diagnose einer Koloskopie unterzogen. Warum es bei ihnen trotz der Untersuchung zu einem Krebs kam, kann verschiedene Ursachen haben. So gibt es Tumoren, die besonders rasch wachsen, sodass sich auch innerhalb des Zehnjahresintervalls zwischen zwei Spiegelungen ein Krebs entwickeln kann. Denkbar ist auch, dass der Untersucher mit seinem Endoskop den Darm nicht weit genug einsehen konnte, dass der Darm nicht ausreichend gereinigt war, oder dass der Untersucher schlicht nicht erfahren genug war.

Komfortable Spiegelung
Die Koloskopie scheint also nicht zuletzt auch nach dieser Studie Vorteile gegenüber dem FOBT zu haben. Unter Experten gilt sie ohnehin als zuverlässigste Methode der Früherkennung. Darüber hinaus können etwaige Krebsvorstufen bereits während der Untersuchung entfernt werden.

Und schließlich gestaltet sich die Koloskopie auch nicht mehr so unangenehm, wie das früher vielleicht einmal der Fall war. Anstelle der unbeliebten Spüllösungen verabreichen Ärzte zur Darmreinigung meist Polyethylenglykol/Ascorbinsäure-haltige Präparationen mit reduziertem Volumen und für die Spiegelung selbst stehen etwa mit Propofol oder Midazolam kurz wirksame und meist gut verträgliche Narkosemittel zur Verfügung.

Quellen
  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
  • Brenner et al.: Expected reduction of colorectal cancer incidence within 8 years after introduction of the German screening colonoscopy programme: Estimates based on 1,875,708 screening colonoscopies. European Journal of Cancer (2009), DOI: 10.1016/j.ejca.2009.02.017
  • Schoppmeyer et al. : Vorsorgemuffel oder Screening-Versager? Dtsch Arztebl Int 2009; 106(12): 195–201


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Gewebeprobe unter dem Mikroskop

Darmgewebe unter dem Mikroskop

Darmkrebsfrüherkennung
Im Rahmen der Darmkrebsfrüherkennung stehen den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland folgende Leistungen zu:

Eine ärztliche Beratung hinsichtlich bestehender Präventionsmöglichkeiten zur Vermeidung von Darmkrebs.

Ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl (FOBT: fäkaler okkulter Bluttest), jährlich für Personen ab dem 51. Lebensjahr und zweijährlich ab dem 56. Lebensjahr

Alternativ zum FOBT: Darmspiegelung (Koloskopie) ab dem 56. Lebensjahr mit frühester Wiederholung nach zehn Jahren.

Wegen des erhöhten Darmkrebsrisikos bei langjähriger Erkrankung ist das Thema auch für CED-Patienten relevant, selbst wenn sie noch jünger sind. Mehr dazu lesen Sie hier:

Krebsrisiko und Prävention
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