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Behandlungsziel Schleimhautheilung
20.04.09 - Die moderne Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen muss mehr leisten, als nur die offenkundigen Symptome zu reduzieren.

Oberstes Ziel der Behandlung von CED-Patienten ist die Beschwerdenfreiheit, die Remission. Aber wann ist ein Patient beschwerdenfrei? Nach klinischen Kriterien, wenn sich die Blutwerte weitgehend normalisiert haben, der Bauch kaum noch schmerzt, Durchfälle nahezu verschwunden sind und auch andere Crohn-typische Symptome wie etwa Fisteln fehlen. Allerdings kann die Erkrankung auch dann noch voranschreiten, wenn der Patient nur wenige oder gar keine klinischen Beschwerden mehr hat.

Dies zeigt sich etwa im Rahmen einer Darmspiegelung. Bei manchen Patienten lassen sich dann trotz klinischer Remission noch Schäden an der Schleimhaut nachweisen - entweder schon beim Blick durch das Endoskop oder aber anhand einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop. Der Pathologe sieht dann beispielsweise, dass vermehrt Entzündungszellen in der Darmwand sitzen oder die oberste Zellschicht der Schleimhaut nicht intakt ist.

Nun gibt es Hinweise aus Studien, wonach Patienten mit geheilter Schleimhaut eine bessere Prognose haben, als Patienten, bei denen dies nicht der Fall ist. Sie scheinen mildere Verläufe zu haben und müssen offenbar seltener operiert werden. Manche CED-Experten plädieren daher dafür, im Rahmen der Behandlung nicht nur auf die klinische Remission zu achten, sondern auch die Schleimhaut - die Mukosa – zu heilen. Mit den heute verfügbaren Medikamenten lässt sich dies aber in sehr unterschiedlichem Maße erreichen.

Überlegene Wirkung auf Schleimhautschäden
In einer aktuell veröffentlichten Studie wurde untersucht, inwieweit die Mukosa unter einer Behandlung mit dem Immunsuppressivum Azathioprin beziehungsweise mit dem lokal wirksamen Steroid Budesonid heilt. Studienteilnehmer waren 77 Patienten mit Morbus Crohn, die zwar beschwerdenfrei waren, diesen Zustand aber nur durch die Einnahme konventioneller Steroide erreichten.

Nach dem Zufallsprinzip wurden die Patienten einer der beiden Behandlungsgruppen zugewiesen und erhielten entweder Azathioprin oder Budenosid für ein Jahr. Zu Beginn und am Ende der Behandlungsphase führten die Prüfärzte Darmspiegelungen durch und entnahmen Gewebeproben. Darüber hinaus wurden im zweimonatlichen Turnus die klinischen Symptome dokumentiert und die Patienten nach ihrem Befinden befragt.

Zum Studienende waren mehr Patienten in der Azathioprin-Gruppe in Remission geblieben als in der Budesonid-Gruppe, wobei der Unterschied erst sechs Monate nach Studienende statistische Signifikanz erreichte. Deutlichere Unterschiede gab es dagegen bezüglich der Mukosaheilung und der Gewebeanalyse.

Der Zustand der Mukosa hatte sich im Gruppendurchschnitt allein bei den Patienten mit Azathioprinbehandlung signifikant verbessert. 83 Prozent von ihnen erreichten eine vollständige oder nahezu vollständige Heilung der Schleimhautschäden. In der Budesonid-Gruppe war dies nur bei 24 Prozent der Patienten der Fall. Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Analyse der Gewebeproben. Im Gruppendurchschnitt ließ sich nur für Azathioprinpatienten eine signifikante Verbesserung nachweisen.

Immunsuppressive Therapie bereits früher?
Wie die Studienautoren ausführen, konnte nun schon in mehreren Untersuchungen gezeigt werden, dass Schleimhautschäden unter einer Behandlung mit Azathioprin gut heilen. Allerdings war das Ausmaß der Mukosaheilung in der vorliegenden Studie ungewöhnlich hoch. Die Autoren führen dies darauf zurück, dass die Patienten bereits früh in ihrer Krankheitsgeschichte Azathioprin erhalten hatten.

Ähnliche Hinweise auf einen positiven Effekt einer frühen immunsuppressiven Therapie gibt es auch aus anderen Studien. Möglicherweise spricht dies dafür - so die Autoren – mit einer immunsuppressiven Therapie früher als bisher üblich zu beginnen.

Quelle: Mantzaris et al. Azathioprine is Superior to Budesonide in Achieving and Maintaining Mucosal Healing and Histologic Remission in Steroid-dependent Crohn’s Disease. Inflamm Bowel Dis Vol. 15, March 2009.

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Wie misst man Krankheit?
Um den Zustand von Patienten zu quantifizieren und damit vergleichbar zu machen, benutzen Ärzte so genannte Indices. Dazu bewerten sie verschiedene Parameter – etwa Bauchschmerzen - und weisen ihnen je nach Ausprägung oder Häufigkeit des Auftretens Punkte zu. Anschließend zählt man die Punkte für alle Parameter eines Index’ zusammen. Der Summenscore erlaubt dann eine schnelle Aussage über die Schwere einer Erkrankung. In der vorgestellten Studie wurden unter anderem folgende Indices verwendet.

CDAI: Crohn’s Disease Activity Index
Dieser Index gibt die Krankheitsaktivität nach klinischen Kriterien wieder. Dazu werden objektive klinische und laborchemische Befunde erhoben, und die Patienten gebeten, ein Tagebuch über ihr Befinden zu führen. Parameter sind unter anderem die Zahl ungeformter Stühle, Bauchschmerzen, das Allgemeinbefinden, das Vorhandensein extraintestinaler Manifestationen, ein bestimmter Blutwert (Hämatokrit) und der Gewichtsverlauf.

Bei Werten unter 150 gilt eine Remission als erreicht. Werte zwischen 150 und 219 stehen für eine leichte bis mittlere Aktivität, Werte zwischen 220 und 450 für eine mittlere bis schwere. Bei Werten über 450 handelt es sich um eine hochaktive Erkrankung.


CDEIS: Crohn's Disease Endoscopic Index of Severity
Beim CDEIS werden vier Parameter in fünf definierten Segmenten des Kolons bewertet. Der Arzt sucht nach tiefen Geschwüren, oberflächlichen Geschwüren, er beurteilt die Oberfläche der Geschwüre und weitere Läsionen. Die Untersuchung findet im Rektum, im Sigmoid und absteigenden Kolon, im Querkolon, im aufsteigenden Kolon und im Ileum statt. Der CDEIS kann Werte zwischen 0 und 44 aufweisen; höhere Ergebnisse stehen für eine stärkere Entzündungsaktivität.
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