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Präbiotika – mehr als nur Ballaststoffe
18.05.09 - Der Darm ist eine Welt im Kleinen. Zigbillionen Bakterien tummeln sich dort - manche als Nützlinge, die den Darm gesund halten, andere als Schädlinge, die die Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen fördern. Welche Arten die Oberhand behalten, lässt sich steuern.

Die Ursachen chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) verbergen sich in einem wahren Dickicht aus krank machenden Faktoren. Zu ihnen zählen eine genetisch bedingte Veranlagung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Barrierestörungen der Darmschleimhaut und eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora.

Einer dieser Faktoren allein würde vermutlich kaum einen Morbus Crohn oder eine Colitis ulcerosa hervorrufen. Zusammen führen sie jedoch dazu, dass das Immunsystem des Darms immer wieder mit schädigenden Substanzen konfrontiert wird. Es bekämpft diese aufs Heftigste und das Gewebe entzündet sich.

Nun verfügen Ärzte heute über ein beachtliches Sortiment an Medikamenten gegen CED. Tatsächlich kann den meisten Patienten mit Mesalazin, Steroiden, Azathioprin etc. gut geholfen werden. Allerdings dienen diese Wirkstoffe allein dazu, die Immunreaktion oder die Entzündung einzudämmen. Andere Faktoren, wie eine gestörte Zusammensetzung der Darmflora, bleiben dagegen unbeeinflusst. Genau an dieser Stelle könnte aber eine zusätzliche Behandlung ansetzen.

Die Guten und die Schlechten
Unser gesamtes Wohlbefinden hängt davon ab, dass Bakterien im menschlichen Darm aktiv sind. So schützen Laktobazillen, Bifidobakterien & Co. den Darm vor einer Besiedelung durch andere, krank machende Mikroben. Sie produzieren für uns Vitamine, die unser Körper selbst nicht herstellen kann, und ihre Stoffwechselprodukte unterstützen den Darm in vielen seiner Funktionen.

Andere Bakterienarten scheinen dagegen die Entstehung einer CED zu fördern. Hinweise darauf geben Untersuchungen, in denen bei CED-Patienten die Zahl der schleimhautbesiedelnden Bakterien erhöht war und ihre Darmflora eine andere Zusammensetzung aufwies als die von gesunden Kontrollpersonen. Darüber hinaus sprechen manche CED-Patienten gut auf eine Behandlung mit Antibiotika an, was ebenfalls für eine Beteiligung von Bakterien an der Krankheitsentstehung spricht.

Es reicht also nicht, dass irgendwelche Bakterien den Darm besiedeln, es müssen schon die richtigen sein. Und ihnen kann man auf die Sprünge helfen.

Futter für die Guten
Da sind zum einen die Probiotika, Präparate also, die nützliche Mikroorganismen in lebender Form enthalten. Vor allem aus Studien mit Colitis-ulcerosa-Patienten gibt es Hinweise, dass sie zum Erhalt der beschwerdenfreien Zeit sinnvoll sind. Daneben lässt sich die Zusammensetzung der Darmflora aber auch über bestimmte Ballaststoffe steuern, die Präbiotika.

Präbiotika sind pflanzliche Speicherkohlenhydrate, die vom Menschen nicht verdaut werden können. Sie gelangen daher mit dem Speisebrei bis in den Dickdarm, der dicht mit Bakterien besiedelt ist. Dort entfalten sie dann positive Effekte auf die Darmflora. Tatsächlich gibt es aus Studien mit Tieren und Patienten Hinweise, wonach Präbiotika die Krankheitsaktivität bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa reduzieren können.

Auf welche Weise dies geschieht, ist noch nicht ganz geklärt. Experten nehmen an, dass verschiedene Mechanismen zum Tragen kommen. So werden Präbiotika offenbar vor allem von nützlichen Darmbakterien, wie Laktobazillen und Bifidobakterien verdaut. Diese Arten haben daher einen Wachstumsvorteil gegenüber anderen Bakterien und verdrängen sie. Darüber hinaus scheinen Präbiotika ein Haften schädlicher Bakterien an der Darmschleimhaut zu verhindern. Und schließlich stimulieren Präbiotika die Produktion jenes Schleimes, der die oberste Schicht der Darmwand auskleidet. Sie verstärken daher die Barrierefunktion der Darmschleimhaut gegenüber Umwelteinflüssen.

Die Spargelsaison nützen
Allerdings wirken nicht alle Präbiotika gleichermaßen gut. Therapeutische Effekte konnten beispielsweise für Oligofruktose und Inulin gezeigt werden. Diese Präbiotika sind vor allem in Weizen, Chicoree, Bananen, Zwiebeln, Lauch, Artischocken, Spargel und Knoblauch enthalten. Inulin ist darüber hinaus Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln wie Flosa® Balance.

Mit einer Ballaststoff-reichen Ernährung oder mit Inulin-reichen Nahrungsergänzungsmitteln kann man also auch CED positiv beeinflussen. Dafür spricht ein weiterer Befund, der aus epidemiologischen Studien hervorgeht. Demnach sind CED vor allem in jenen Ländern verbreitet, in denen die Bewohner besonders geringe Mengen an Ballaststoffen zu sich nehmen – in den westlichen Industrienationen, vor allem in den USA und Kanada.

Quelle:
Looijer-van Langen, Dielemann: Prebiotics in Chronic Intestinal Inflammation. Inflamm Bowel Dis Vol 15. Nr. 3, March 2009
Ballaststoffe bei CED
Bitte beachten Sie: CED-Patienten sollten vor einer Umstellung auf eine ballaststoffreiche Ernährung unbedingt mit ihrem Arzt sprechen. Sind nämlich Engstellen (Stenosen) im Darm vorhanden, kann der Verzehr von Ballaststoffen zu einem Darmverschluss führen.
  sehr gut gut geht so schlecht
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Was sind Probiotika?
Zubereitungen von Mikroorganismen gelten als Probiotika, wenn sie
- die Passage von Magen, Dünndarm und Dickdarm lebend überstehen
- keine Krankheiten erregen und nicht giftig sind
- gesundheitsfördernde Effekte haben
- die Darmflora stabilisieren
- an der Darmschleimhaut haften
- krank machenden Keimen entgegenwirken

Was sind Präbiotika?
Ballaststoffe gelten als Präbiotika, wenn sie
- im oberen Verdauungstrakt weder aufgespalten noch in den Organismus aufgenommen werden
- von einer begrenzten Anzahl nützlicher Bakterienarten verstoffwechselt werden
- die Zusammensetzung der Darmflora hin zu einem Übergewicht nützlicher Bakterienarten verändern.
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