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Angenehme Hafenrundfahrt!
21.09.09 - Abführmittel mit Zitronengeschmack und sedierende Medikamente machen aus der Darmspiegelung eine sanfte Prozedur.
Auch wenn es Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vielleicht nicht so gerne hören: Der Stellenwert der Darmspiegelung – von Zynikern gerne als Hafenrundfahrt bezeichnet – hat sich trotz der Einführung neuer Untersuchungsverfahren kaum verändert. Zur Diagnosestellung und zur Krebsfrüherkennung ist die Untersuchung nach wie vor unverzichtbar. Darüber hinaus müssen sich manche Patienten auch im Krankheitsverlauf immer wieder mal einer Koloskopie unterziehen. Drum herum kommt also keiner. Umso ungünstiger, dass kaum eine Untersuchung so unbeliebt ist. Vielen ist bereits die vorbereitende Darmreinigung lästig. Vor ein paar Jahren mussten dazu noch bis zu fünf Liter einer abführenden und wahrlich ungenießbaren Flüssigkeit getrunken werden. Anderen gilt die Koloskopie zudem als eine Untersuchung, die mit Schmerzen verbunden ist. Sie entstehen beispielsweise, wenn der Arzt Luft in den Darm bläst, um die Schleimhaut zu entfalten. Auch das Manövrieren des Endoskops in Darmkrümmungen kann Schmerzen hervorrufen. Dies gilt umso mehr, je steifer das Endoskop und je weniger routiniert der Untersucher ist. Es dürfte daher vielen CED-Patienten wie Musik in den Ohren geklungen haben, als vor einiger Zeit das Schlagwort von der ‚sanften Koloskopie’ die Runde machte. Was aber ist darunter genau zu verstehen? Sedierung hat Vorteile für Patienten und Ärzte In erster Linie geht es bei der sanften Koloskopie darum, dem Patienten eine möglichst angenehme Untersuchung anzubieten. Das beginnt schon bei der Darmreinigung, für die heute Salzlösungen mit Zitronengeschmack zur Verfügung stehen. Richtig lecker sind sie deswegen zwar immer noch nicht, aber man muss wenigstens nicht mehr so viel davon trinken. Als deutliches Plus dürften dagegen viele Patienten die Möglichkeit der Sedierung empfinden. Dabei wird das Bewusstsein pharmakologisch „heruntergefahren“, das heißt, der Patient nimmt seine Umwelt nur noch eingeschränkt war. Der Übergang zur Narkose mit vollständig ausgeschaltetem Bewusstsein ist dabei fließend. Ein häufig verwendetes Medikament ist das Midazolam. Der Patient wird damit nur teilweise sediert, er erlebt die Prozedur mit. Ärzte berichten auch, dass ihre Patienten dabei manchmal Schmerzen empfinden, an die sie sich hinterher aber nicht mehr erinnern können. Deswegen kann man Midazolam auch mit Schmerzmitteln kombinieren. Einen Schritt weiter gehen Ärzte mit dem Sedativum Propofol, das seit 1996 in Deutschland zugelassen ist. Nach der Injektion in eine Vene wirkt es sehr schnell und versetzt den Patienten für wenige Minuten in einen narkoseähnlichen Zustand. Bei Bedarf kann Propofol nachdosiert und die Sedierung an die Länge der Untersuchung angepasst werden. Der Patient kriegt endgültig nichts mehr von der Untersuchung mit und der Arzt profitiert, weil die Handhabung des Endoskops nicht durch etwaige Bewegungen gestört wird. Ein weiterer Vorteil von Propofol: Es wird sehr rasch wieder abgebaut, und die Patienten sind nach der Untersuchung schneller als bei Midazolam wieder wach. So ist es kein Wunder, dass sich sowohl Patienten als auch Ärzte in Umfragen sehr zufrieden über die Sedierung mit Propofol äußern. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Leitlinie für die sichere Sedierung Eine weniger schöne Eigenschaft von Propofol ist, dass es leicht überdosiert werden kann. In diesem Fall drohen dann Komplikationen wie ein starker Blutdruckabfall oder ein Atemstillstand. Zwischenfälle können zwar auch bei anderen sedierenden Medikamenten eintreten, Propofol hat aber einen schmäleren Dosierungsspielraum, innerhalb dessen es sicher ist. In jedem Fall sollten Ärzte in der Lage sein, etwaigen Zwischenfällen bestmöglich vorzubeugen, beziehungsweise im Ernstfall die richtigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen e.V. hat dazu Ende 2008 eine Leitlinie veröffentlicht. Sie sieht beispielsweise vor, dass die Narkose nicht vom Arzt, sondern von einer weiteren, speziell geschulten Person überwacht wird. Diese Person muss dann kontinuierlich die Sauerstoffsättigung und den Blutdruck überwachen. Darüber hinaus sollten alle Beteiligten ausreichend qualifiziert sein und die Praxisausstattung bestimmten Anforderungen genügen. Durch diese und weitere Empfehlungen ist sichergestellt, dass die Untersuchung mit minimalem Risiko durchgeführt werden kann. Nun ist eine Sedierung nicht bei jeder Endoskopie notwendig, und manche Patienten möchten selbst eine Darmspiegelung bewusst erleben. Dennoch ist der Anteil der sedierten Patienten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – von 9 Prozent Mitte der 1990er Jahre auf mittlerweile knapp 90 Prozent. Eine Ursache ist darin zu sehen, dass immer mehr Spiegelungen als therapeutische Maßnahme durchgeführt werden, etwa um eine Engstelle zu erweitern oder eine Schleimhautwucherung abzutragen. In diesen Fälle ist es besonders wichtig, dass der Patient ruhig liegt. Ein anderer Grund für den Anstieg ist die Nachfrage seitens der Patienten. Sie wünschen sich eben eine angenehme Hafenrundfahrt. Quellen: S3-Leitlinie „Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie“. Z Gastroenterol 2008; 46:1298–1330 Medical Tribune 40/2006 (http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=75698&dspaid=589332) http://www.ich-geh-da-hin.de (Kampagne des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen) |
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Mit gutem Gefühl zur Koloskopie
Die Sedierung allein macht noch keine gute Darmspiegelung aus. Folgende weitere Kriterien sollten erfüllt sein:
Für die Qualität der Untersucher bürgen die ärztlichen Fachverbände. Wer heute eine Zulassung zur Durchführung der Koloskopie in seiner Praxis stellt, muss nachweisen, dass er in den letzten zwei Jahren mindestens 200 Darmspiegelungen und 50 Abtragungen von Polypen eigenhändig durchgeführt hat. |
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