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Rauchstopp bei Morbus Crohn: Schwerer Einstieg in den Ausstieg
19.10.09 - Morbus-Crohn-Patienten die rauchen haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und häufige Rezidive als jene, die nicht rauchen. Wenn Betroffene vom Glimmstengel loskommen möchten, ist das daher eine gute Sache. Die Frage ist nur, wie man das auch auf Dauer schafft?

Eine Antwort darauf fällt gar nicht so leicht. Eine wesentliche Voraussetzung für die Entwöhnung ist sicherlich der Wille. In den allermeisten Fällen reicht er allein aber nicht aus. Ohne therapeutische Begleitung sind nach wenigen Jahren nur noch etwa drei von 100 Entwöhnungswilligen abstinent.

Den Grund sehen Fachleute in der raschen Suchtentwicklung durch das inhalierte Nikotin. Darüber hinaus berichten Raucher, dass sie sich nach dem Zug an einer Zigarette konzentrierter und leistungsfähiger fühlen. Wer mit dem Rauchen aufhört, muss sich daher auf Entzugssymptome einstellen – und den allgegenwärtigen Verlockungen widerstehen.

Das geht leichter, wenn man sich auf dem schweren Weg in die Abstinenz professionell begleiten lässt. Die Angebote dazu sind schwer überschaubar und reichen von obskuren Ansätzen wie der Detox-Spritze, über Hypnose, Akupunktur und Aversionsbehandlungen bis hin zu pharmakologischen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen. Einige, die auch in Studien untersucht wurden, stellen wir hier vor.

Zahlreiche Ausstiegshilfen – manche mit Risiken
Bei der so genannten Kurz- oder Minimalintervention versucht der Arzt, die Patienten durch kurze Gespräche zum Rauchstopp zu motivieren und diesen dann auch durchzuhalten. Allein diese Maßnahme kann die Abstinenzquoten nach einem Jahr um ein paar Prozentpunkte steigern.
Mehr Erfolg versprechen verhaltenstherapeutische Entwöhnungsprogramme mit Gruppen- oder Einzelbetreuung. Darin erlernen Patienten, ungünstige Verhaltensweisen zu ändern. Ziel ist es beispielsweise, erworbene Automatismen - wie die Zigarette zur Zeitung - zu erkennen und abzustellen.

Erschweren Entzugssymptome den Ausstieg, ist zudem eine Nikotinersatztherapie sinnvoll. Sie reduziert Beschwerden, den Drang zu Rauchen („Craving“) und die Gewichtszunahme und erlaubt den Patienten, sich mehr auf die Verhaltensänderungen zu konzentrieren. Verfügbare Darreichungsformen für den Nikotinersatz sind Kaugummi, Lutschtablette, Pflaster und Spray.

Darüber hinaus kann der Ausstieg mit Medikamenten unterstützt werden. Am ehesten geeignet sind die Wirkstoffe Bupropion und Vareniclin. Beide sind effektiv, rufen aber relativ häufig Nebenwirkungen hervor. Meist handelt es sich dabei um Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Daneben wurden auch psychische Symptome, wie Ruhelosigkeit, Angst, Verwirrtheit und Depression beobachtet. Vereinzelt entwickelten Patienten sogar Selbstmordgedanken und –absichten.

Für CED-Patienten wichtig: Zumindest in den US-amerikanischen Gebrauchsinformationen sind bei den gastrointestinalen Nebenwirkungen zu Vareniclin auch Stuhlunregelmäßigkeiten, bei denen zu Bupropion zusätzlich Blutungen und Entzündungen aufgeführt. Ob eine Einnahme bei Morbus Crohn daher überhaupt sinnvoll ist, sollte streng geprüft werden.

Mehr Erfolg durch Kombination der Methoden
Einzeln angewandt, lassen sich mit derartigen Maßnahmen Einjahresabstinenzquoten von etwa 10 bis 30 Prozent erreichen. Noch aussichtsreicher ist eine Betreuung, die verschiedene Maßnahmen kombiniert und auch eine Ernährungsberatung und eine Nachbetreuung (z.B. telefonische Helpline) einschließt. Unter ärztlicher und psychologischer Leitung und Nachbetreuung wurden bereits Einjahresabstinenzraten von rund 50 Prozent erreicht.

Welche Maßnahmen nötig oder sinnvoll sind, darüber entscheidet vor allem der Grad der Abhängigkeit. Ein einfaches Maß dafür ist der Fagerströmtest mit sechs Fragen zu den Rauchgewohnheiten. Für jede Antwort wird ein bestimmter Punktwert vergeben. Aus der Punktsumme (maximal 10) lässt sich der Grad der Abhängigkeit abschätzen.
Experten wie Dr. Matthias Urlbauer zufolge kann man diesen Test auf eine entscheidende Frage reduzieren: ‚Wie bald nach dem Aufwachen rauchen Sie die erste Zigarette?’ „Wer das innerhalb der ersten fünf Minuten tut, sollte das ganze Maßnahmenpaket erhalten“, sagt der ärztliche Leiter der Tabakentwöhnung am Klinikum Nürnberg.

Quellen:
Raupach et al. Rauchen und pneumologische Erkrankungen, positive Effekte der Tabakentwöhnung. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Pneumologie 2007; 61; 11-14

US-Guideline Treating Tobacco Use and Dependence: 2008 Update
Tabakabhängigkeit. Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, 2001

Prof. Pal Bölskei, IRT

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Angebote zur Tabakentwöhnung
Mittlerweile gibt es zahlreiche Entwöhnungsprogramme für Raucher, die von unterschiedlichen Institutionen angeboten werden. Wer sich zur Teilnahme entschließt, sollte darauf achten, dass die Maßnahmen in ihrer Wirksamkeit bewertet wurden. Einige Adressen:
Klinikum Nürnberg
Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung
Wissenschaftlicher Aktionskreis Tabakentwöhnung (WAT) e. V.
Universität Göttingen

Weitere Informationen
Fagerström-Test
Tabakkontrolle.de
Kampagne "Rauchfrei 2008"
Kampagne "Für ein rauchfreies Leben"
Kampagne "Rauchfrei plus"
AOK
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