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Schweinegrippe: Soll man sich als CED-Patient impfen lassen?
20.11.09 - Die Schweinegrippe ist derzeit in aller Munde. Auch Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa fragen sich zu Recht, ob sie sich dagegen impfen lassen können oder sogar sollten? Unser Experte, Professor Dr. Andreas Stallmach, hat dazu die wichtigsten Informationen zusammengestellt und rät zur Impfung mit einer Vakzine ohne Zusatzstoffe. Sollte dieser Impfstoff nicht verfügbar sein, wäre eine Impfung mit Adjuvanz als Wirkungsverstärker immer noch besser als keine Impfung.

Die Schweinegrippe wird durch ein neues Grippevirus (H1N1) ausgelöst. Deshalb sprechen manche auch von der „Neuen Grippe“.
Auf dieses Virus ist unser Immunsystem nicht vorbereitet, sodass es sich schnell ausbreiten kann. Auch wenn die Erkrankung in Deutschland bislang eher relativ harmlos verlaufen ist, sollte man sich nicht vorschnell in Sicherheit wiegen. Besonders Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene sind häufig betroffen. Eine möglichst flächendeckende Impfung ist daher eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Zahl von Erkrankungen und Todesfällen zu reduzieren.

Welche Impfstoffe gegen Schweinegrippe sind zugelassen ?
In Deutschland sind derzeit vier Impfstoffe gegen die Schweinegrippe zugelassen, die in einen Muskel (Oberarm) injiziert werden: Celtura®, Celvapan®, Focetria® und Pandemrix®, der für die Massenimpfung in Deutschland vorgesehen ist. Pandemrix® und Focetria® enthalten Zusatzstoffe (so genannte Adjuvanzien), die die Nebenwirkungen der Impfung verstärken können. Der Impfstoff Celtura® enthält auch einen Wirkverstärker, kann aber auch Menschen mit Hühnereiweißallergie gegeben werden. Celvapan® enthält weder Zusatz-, noch Konservierungsstoffe. Daher gilt das Serum als verträglicher, verdirbt aber schneller.

Wie oft muss geimpft werden?
Der Impfstoff wirkt bei den meisten Geimpften bereits nach einer Dosis. Experten vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin empfehlen:
  • Kinder im Alter von sechs Monaten bis neun Jahren sollten zweimal eine halbe Erwachsenendosis erhalten.
  • Erwachsene bis 60 Jahren müssten nur einmal geimpft werden.
  • Ältere Menschen sollten sich zweimal impfen lassen, weil ihr Immunsystem stärker stimuliert werden muss, um einen kompletten Impfschutz aufzubauen.

Wie gut sind die Impfstoffe getestet?
Diese Impfstoffe sind in Studien getestet und von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) zugelassen worden. Allerdings liegen keine jahrelangen Erfahrungen oder verschiedene größere Studien vor, da die Zulassung unter «außergewöhnlichen Umständen» erfolgte, wie die EMEA betont.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Auch bei gesunden Menschen können durch die Impfung Nebenwirkungen auftreten. Hierzu zählen wie bei anderen Impfungen auch Schmerzen und Rötungen an der Impfstelle sowie eine Schwellung der Lymphknoten. Auch leichte Erkältungssymptome wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und gelegentliche Übelkeit sind möglich.

Welcher Impfstoff hat mehr Nebenwirkungen?
Der Pandemrix®-Impfstoff enthält Wirkstoffverstärker und kann mehr Nebenwirkungen hervorrufen als Celvapan®. Häufig (mehr als 10 Prozent der Geimpften) sind Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen oder Reaktionen an der Injektionsstelle (Verhärtung, Schwellung, Schmerzen und Rötung) sowie Fieber und Mattheit oder Müdigkeit.

Sollen sich auch schwangere Frauen impfen lassen?
Laut dem Berliner Robert-Koch-Institut sind Schwangere bei einer Infektion mit dem Schweinegrippevirus besonders gefährdet, einen schweren Krankheitsverlauf zu durchleben oder gar zu sterben. Daher rät das Institut Schwangeren, sich auf jeden Fall impfen zu lassen. Bei Schwangeren sollte aber auf den Impfstoff Celvapan® zurückgegriffen werden.

Wie gut schützt die Impfung vor einer Infektion mit dem H1N1-Virus?
Einen hundertprozentigen Schutz vor der Schweinegrippe gibt es durch die Impfung nicht. Auch bei der normalen Grippeschutzimpfung sind gesunde Menschen nur bis zu 90 Prozent geschützt, bei Älteren ist die Schutzrate geringer. Studien zeigten, dass beide Impfstoffe bei mindestens 70 Prozent der Menschen schützende Konzentrationen von Antikörpern bildeten.

Welche Besonderheiten gibt es bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?
Viele CED-Patienten werden mit Medikamenten behandelt, die die krankheitsbedingt verstärkte und/oder gestörte Immunantwort mehr oder weniger gezielt unterdrücken. Diese Patienten erhalten Kortison, Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Methotrexat oder Anti-TNFalpha-Antikörper. Es ist nicht bekannt, ob in diesen Fällen durch eine Impfung überhaupt ein ausreichender Impfschutz aufgebaut werden kann.

Eindeutig gilt, dass bei diesen Patienten keine Impfungen mit abgeschwächten aber lebenden Krankheitserregern durchgeführt werden dürfen! Die Impfung gegen die „Neue Grippe“ ist aber keine Lebendimpfung, hier wird mit abgetöteten Virusbestandteilen geimpft, die Impfung kann also durchgeführt werden.

Für Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gibt es keine spezifischen Empfehlungen, wohl aber für Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Eine Expertengruppe der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt ihnen, sich impfen zu lassen, wenn ihre Erkrankung schwer verläuft, oder wenn sie mit Immunsuppressiva behandelt werden (Immunsuppressiva machen den Organismus anfälliger für Infektionen).
Zusammenfassend rate ich deshalb Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu einer Impfung mit einem Impfstoff ohne Adjuvanz, z. B. mit Celvapan®. Muss eine immunsuppressive Behandlung durchgeführt werden, sollte die Impfung im Abstand von vier Wochen wiederholt werden.

Professor Dr. Andreas Stallmach
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Die „Neue Grippe“
Wo Menschen eng in Kontakt treten, herrscht Ansteckungsgefahr.

Im Wesentlichen werden die Grippeviren auf zwei Wegen von Mensch zu Mensch übertragen. Einmal durch den Kontakt mit Erregern, die ein Erkrankter ausgehustet oder beim Niesen oder Sprechen ausgestoßen hat; zum zweiten durch die Berührung von Gegenständen oder Oberflächen, die mit den Viren besiedelt sind.

Ein an der „Neuen Grippe“ erkrankter Patient ist drei bis fünf Tage, zum Teil auch bis zu sieben Tage ansteckend. Einige Virusträger können bereits ansteckend sein, obwohl sie selbst noch keine Symptome aufweisen.

Typische Symptome sind Fieber und Husten. Ebenfalls typisch ist eine Halsentzündung, nicht selten kommt es aber auch zu Durchfall und Übelkeit mit Erbrechen. Die Neue Grippe unterscheidet sich somit bei vielen Patientinnen und Patienten nicht von einer normalen Grippe mit Halsschmerzen, Schnupfen, allgemeinem Krankheitsgefühl, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Kopfschmerzen.

Und so können Sie einer Infektion vorbeugen:
  • Regelmäßig Händewaschen
  • Den Kontakt mit Oberflächen vermeiden, die von vielen Menschen angefasst werden (z.B. Türklinken)
  • Handkontakt mit Schleimhäuten vermeiden
  • Als Pflegekraft oder Angehöriger eines Erkrankten: Mundschutz tragen, bei sehr engem Kontakt auch eine Schutzbrille (bis zu 50 Prozent der Personen, die in einem Haushalt mit einem Erkrankten leben, erkranken ebenfalls).
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