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CED und männliche Sexualität
27.04.2010 - Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) rühren an einer Tabuzone, dem Unterleib. Betroffene scheinen daher keine guten Voraussetzungen für ein erfülltes Sexualleben zu haben. Ob dem auch tatsächlich so ist, hat eine deutsche Arbeitsgruppe untersucht. Im zweiten und letzten Teil unserer Serie bereiten wir Daten zur männlichen Sexualität auf.

Wenn von männlicher Sexualität die Rede ist, dann steht meist die Potenz im Mittelpunkt. Das ist naheliegend, denn wer in diesem Punkt gut abschneidet, darf sich männlich und leistungsfähig fühlen, wer dagegen schwächelt, hat noch nicht mal die Möglichkeit seine Schwäche zu verbergen. Das Bett wird so zum mythenumrankten Schlachtfeld, auf dem Dichtung und Wahrheit weit auseinander, Triumph und Niederlage aber nahe beeinander liegen.

Für CED-Patienten, die von Versagensängsten geplagt werden, mag da ein Blick auf die Ergebnisse einer Umfrage mit 280 Teilnehmern aus Deutschland hilfreich sein. Demnach leiden über alle Altersgruppen gemittelt 9 Prozent der sexuell aktiven CED-Patienten zeitweilig an Erektionsstörungen - und damit ähnlich viele wie in der Allgemeinbevölkerung.

Krankheitsaktivität als Lustkiller

Zeitweilige Erektionsstörungen sind also nichts Ungewöhnliches. Bei CED-Patienten gehen sie der Umfrage zufolge vor allem mit einer höheren Krankheitsaktivität einher, daneben spielen auch Operationen im Beckenbereich und eventuell Depressionen eine Rolle. Zudem muss bei manchen antidepressiv und angstlösend wirkenden Medikamenten mit Sexualstörungen als Nebenwirkung gerechnet werden. Weitgehende Entwarnung geben Forscher dagegen für jene Medikamente, die üblicherweise gegen die Darmentzündungen selbst verabreicht werden. Demnach scheint einzig Methotrexat des öfteren entsprechende Nebenwirkungen zu haben.

Nun umfasst Sexualität allerdings mehr Aspekte als nur die Erektionsfähigkeit. Die Studienautoren befragten die CED-Patienten daher auch nach ihrem sexuellen Verlangen, der Fähigkeit einen Orgasmus zu erlangen sowie nach ihrer Zufriedenheit mit dem Sexualleben und ihrem Leben insgesamt. Wieder war es vor allem die Krankheitsaktivität, die schwer auf den Sexualfunktionen lastete. Depressionen führten zu geringer Zufriedenheit und Ängste dämpften das Verlangen. Inwieweit das Vorhandensein eines Stomas das Sexualleben beeinträchtigt, ließ sich auf Grund der geringen Zahl betroffener Patienten in der Umfrage nicht sicher ermitteln (siehe auch Spalte rechts).

Die Zeit heilt mit

Alles in allem fanden die Autoren der Umfrage also keine Gründe, deretwegen Männer mit CED dauerhaft um ihr Sexualleben bangen müssten. Der wichtigste CED-spezifische Risikofaktor scheint die Krankheitsaktivität zu sein. Somit beugt eine gut kontrollierte Erkrankung etwaigen CED-bedingten Sexualstörungen am besten vor oder beseitigt sie nach einem Schub wieder.

In diesem Zusammenhang ist ein weiteres Ergebnis der Umfrage interessant: Erstaunlicherweise hatten die Patienten nämlich umso seltener Sexualstörungen je länger sie erkrankt waren. Dies deutet darauf hin, dass die Patienten im Laufe der Zeit immer besser mit ihrer Erkrankung zurecht kommen und etwaige negative Auswirkungen auf ihr Leben besser bewältigen. Und das Ergebnis ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich männliche Sexualität nicht nur zwischen den Beinen, sondern auch im Kopf abspielt.

Quellen
Timmer et al. Determinants of Male Sexual Function in Inflammatory Bowel Disease: A Survey-based Cross-sectional Analysis in 280 Men. Inflamm Bowel Dis 2007; 13:1236-1243
Feagins und Kane. Sexual and Reproductive Issues for Men With Inflammatory Bowel Disease. Am J Gastroenterol 2009; 104:768–773
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Sex mit Stoma
Anhaltende Sexualstörungen können sich einstellen, wenn bei Operationen im Unterleib Nerven verletzt wurden, die für die Sexualfunktion wichtig sind. Dies erklärt, warum manche Patienten nach chirurgischen Eingriffen über Sexualstörungen wie zum Beispiel Impotenz klagen. Sie lässt sich aber in vielen Fällen durch Gabe bestimmter Medikamente beheben.

Wurde im Rahmen einer Operation ein Stoma angelegt, kommt ein weiterer Aspekt hinzu – der der Körperwahrnehmung. Manche Patienten haben zumindest anfangs Probleme, sich anderen gegenüber mit einem Stoma zu zeigen. Zu diesem Thema gibt es eine gute - allerdings englischsprache - Broschüre des Dachverbands der US-amerikanischen Selbsthilfegruppen für Stomaträger. Sie kann hier heruntergeladen werden.
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