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Extraintestinale Manifestationen
30.07.07 - Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leiden häufiger als Menschen aus der Allgemeinbevölkerung an bestimmten Erkrankungen außerhalb des Magen-Darm-Traktes. Ärzte gehen daher davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen diesen Begleiterkrankungen und den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) besteht.
„Muss das jetzt auch noch sein?“, wird sich mancher CED-Patient fragen, wenn er mitten im Schub plötzlich Gelenkschmerzen bekommt, schlechter sieht oder schmerzhafte, rote Knoten am Unterschenkel entwickelt. Die Antwort lautet ‚muss nicht, kann aber’. Was viele CED-Patienten nicht wissen: Die Ursachen und die krank machenden Mechanismen, die einer CED zu Grunde liegen, können auch außerhalb des Darms Organe und Gewebe schädigen. In diesen Fällen sprechen Ärzte von extraintestinalen Manifestationen der CED. Und nahezu jeder Zweite ist irgendwann einmal in seiner Krankheitsgeschichte davon betroffen. Typischerweise zeigen sich extraintestinale Manifestationen an den Knie-, den Sprung-, den Hand- und den Ellenbogengelenken. Aber auch die Wirbelsäule und das Gelenk zwischen Darm- und Kreuzbein können involviert sein. Darüber hinaus kann es zu Entzündungen der Augen, der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse kommen. Auch die bereits erwähnten roten Knoten (Erythema nodosum) und geschwürartige Veränderungen an den Unterschenkeln (Pyoderma gangraenosum) werden beobachtet. Extraintestinale Manifestationen in Zahlen Die nachfolgenden Prozentzahlen geben an, welcher Anteil der CED-Patienten in den genannten Organen und Geweben jemals eine extraintestinale Manifestation entwickeln wird.
Bauchspeicheldrüse, Nervengewebe und Gefäße sind nur sehr selten von einer extraintestinalen Manifestation betroffen. Mehr zu extraintestinalen Manifestationen wollten wir von Professor Dr. Tilo Andus erfahren. Der Facharzt für Innere Medizin ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und internistische Onkologie in Stuttgart - Bad Cannstatt. „An die Zusammenhänge denken und alle beteiligten Ärzte informieren!“ Herr Professor Andus, welche Rolle spielen extraintestinale Manifestationen für CED-Patienten? Andus: Meine persönliche Erfahrung ist, dass die meisten Patienten nicht sehr darunter leiden. Die häufigsten extraintestinalen Beschwerden betreffen die Gelenke, und die Patienten haben dann meist leichte Schmerzen, aber keine Schwellungen oder Gelenkzerstörungen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, bei denen die extraintestinalen Beschwerden im Vordergrund stehen und im Einzelfall sogar das Ausmaß einer Behinderung annehmen können. Wie erklärt man sich das gehäufte Auftreten dieser Erkrankungen bei CED-Patienten? Andus: Dazu gibt es bislang nur wenige Daten. Wir nehmen an, dass Antikörper, die sich zunächst gegen Antigene von Keimen richten auch Antigene im Darm und auch in anderen Körperregionen erkennen. Sie können dann dort - etwa in den Gelenkstrukturen - Entzündungen auslösen. Was kommt zuerst, die extraintestinale Manifestation oder die CED? Andus: Auch das ist von Fall zu Fall verschieden. Manche Patienten haben zunächst eine extraintestinale Manifestation und kriegen dann später ihre Darmbeschwerden, bei den meisten ist es aber umgekehrt. Hängen die extraintestinalen Manifestationen direkt von der Aktivität der CED ab? Andus: Das kommt auf die Manifestation an. Das Erythema nodosum korreliert sehr gut mit dem Verlauf der chronisch entzündlichen Darmerkrankung. Ganz anders verhält sich das Pyoderma gangraenosum, eine andere extraintestinale Manifestation der Haut. Dessen Auftreten ist komplett unabhängig von der Aktivität der CED und bedarf einer spezifischen Behandlung. Sollten sich Patienten routinemäßig auf Schäden an Gelenken, Augen etc. untersuchen lassen? Andus: Das wird nicht empfohlen. Allerdings sollten die Patienten darüber Bescheid wissen, dass es extraintestinale Manifestationen gibt und wo sie auftreten können. Und sie sollten beim Auftreten von Symptomen den jeweils behandelnden Arzt – also den Rheumatologen, Orthopäden, Augenarzt oder Dermatologen - über die CED informieren und umgekehrt natürlich auch den Gastroenterologen. Dies vereinfacht die Diagnosestellung zum Teil erheblich und ist unter Umständen auch für die Behandlung wichtig. Inwiefern? Andus: Nehmen wir als Beispiel das Erythema nodosum. Ist es auf dem Boden einer CED aufgetreten, wird man keine weiteren diagnostischen Schritte unternehmen, sondern es lediglich zur Kenntnis nehmen, gegebenenfalls die Schmerzen lindern und sich ansonsten auf die Behandlung der CED konzentrieren. Denn diese Hautmanifestation verschwindet wie erwähnt, sobald die CED unter Kontrolle ist. Ein weiteres Beispiel ist das der Schmerzbehandlung. CED-Patienten sollten – gleich aus welchem Anlass – dazu keine nicht-steroidalen Antirheumatika, wie Ibuprofen oder Diclofenac erhalten, da diese die CED verschlechtern können. Damit derartige Zusammenhänge berücksichtigt werden können, müssen aber alle beteiligten Ärzte entsprechend informiert sein. |
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Professor Dr. Tilo Andus ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und internistische Onkologie in Stuttgart - Bad Cannstatt.
Extraintestinale Komplikationen Von den hier geschilderten Erkrankungen sind die so genannten extraintestinalen Komplikationen abzugrenzen. Hierzu zählen etwa Gallen- und Nierensteine, die in Folge eines erhöhten Verlusts von Gallensäuren über den entzündeten oder operativ verkürzten Verdauungstrakt entstehen können. Auch der Knochenschwund (Osteoporose) zählt zu den häufigeren Komplikationen. Er kann entstehen, entweder auf Grund einer lang anhaltenden Entzündung, wenn Patienten unter Ernährungsmängeln leiden oder wenn sie über längere Zeit mit Kortisonpräparaten behandelt werden. |
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