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Mangelhafte Therapietreue – wenn eine bewusst getroffene zur falschen Entscheidung wird
05.08.08 - Der Nutzen einer Mesalazin-Therapie bei Colitis ulcerosa ist gut belegt. Dennoch gibt es viele Patienten, die ihre Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet einnehmen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass dabei Informationsdefizite eine Rolle spielen.

Mangelnde Therapietreue oder - fachsprachlich - Compliance ist bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ein bekanntes Phänomen. Vor allem in den beschwerdefreien Phasen (Remission) wähnen sich die Betroffenen gesund und fragen sich, wozu sie die Medikamente eigentlich einnehmen sollen?

Die Antwort ist ganz einfach: Die Medikamente sollen einem Rückfall vorbeugen und so die Remission erhalten. Morbus-Crohn-Patienten erhalten dazu zum Beispiel das Immunsuppressivum Azathioprin, Colitis-ulcerosa-Patienten 5-Aminosalizylsäure (Mesalazin). Bei Mesalazin kommt noch hinzu, dass es offensichtlich das erhöhte Darmkrebsrisiko der Colitis-Patienten reduziert.

Trotz dieser Vorteile weiß man, dass nur zwischen 40 und 60 Prozent der Colitis-Patienten ihr Mesalazin weisungsgemäß einnehmen. In einer aktuellen Studie wurde nun untersucht, warum das so ist.

Zeitlich verschobener Nutzen
In der Studie wurden 27 Colitis-ulcerosa-Patienten aus drei englischen Kliniken zu ihrem Medikamenteneinnahmeverhalten befragt. Dabei zeigte sich, dass nur sehr wenige Patienten passiv der ärztlichen Verordnung folgten. Die meisten bildeten sich eine eigene Meinung und entschieden sich bewusst dafür, dem ärztlichen Rat zu folgen - oder eben nicht.

Ausschlaggebend waren neben eigenen Erfahrungen vor allem das Wissen um die Erkrankung und ihre Behandlung. Demnach sind Patienten wenig therapietreu, wenn sie den Sinn der Behandlung nicht verstehen, oder wenn sie sich nichts davon versprechen. Als problematisch erweist sich dabei der zeitlich verschobene Nutzen. Anders als etwa ein Medikament gegen akute Schmerzen wirkt Mesalazin in der Remissionsphase nur auf lange Sicht und ohne einen aktuellen Leidensdruck zu lindern.

Als weitere Gründe für mangelnde Therapietreue wurden die Angst vor Nebenwirkungen und komplizierte Dosierungs- und Einnahmevorschriften genannt. Je öfter Tabletten genommen werden mussten, und je höher ihre Zahl und Größe war, umso laxer hielten es die Patienten mit der ärztlichen Verordnung. Und schließlich gab es auch Patienten, die schlicht nicht anerkennen wollten, dass sie chronisch krank sind.

Was können Patienten tun?
Diese Selbsteinschätzung kann durchaus dazu führen, dass Patienten eine – nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft – sehr sinnvolle Behandlung ablehnen. Und dies hat den Autoren der Studie zufolge auch mit dem Arzt-Patienten-Verhältnis zu tun.

Wer von seinem Betreuer nicht ausreichend aufgeklärt wird, der hat auch keine gute Grundlage, auf der er entscheiden könnte. Nutzen und Nachteile lassen sich so nicht objektiv gegeneinander abwägen und bisweilen muten die Konsequenzen fast schon tragisch an. So wussten viele Befragte nichts von der krebspräventiven Wirkung von Mesalazin, gaben aber an, dass das Wissen darüber für ihre Haltung zur Medikation sehr wichtig gewesen wäre.

Patienten sollten sich daher die Chance auf eine gut begründete Entscheidung wahren und das Gespräch mit ihrem Arzt suchen und auf Aufklärung bestehen. Mit welchem Krankheitsverlauf ist zu rechnen, wie kann Mesalazin diesen Verlauf beeinflussen, welchen Nutzen haben die Medikamente, wie lange muss ich sie nehmen, was passiert, wenn ich sie nicht nehme, gibt es Alternativen? Auf diese Fragen wird ein guter Arzt gerne eingehen.

Und selbst wenn es nur die Dosierungsschemata sind, die die Therapietreue erschweren, lohnt sich ein Gespräch. So kann etwa der Wechsel zu einem Präparat oder einer Darreichungsform mit anderer Wirkstoffmenge dazu führen, dass sich die Einnahme oder Anwendung besser ins tägliche Leben integrieren lässt.

Quelle: Moshkovska et al. Qualitative Investigation of Patient Adherence to 5-Aminosalicylic Acid Therapy in Patients with Ulcerative Colitis. Inflamm Bowel Dis Vol 14. Nr. 6, 2008

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