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Ein Blick in die Glaskugel
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) können sehr unterschiedlich verlaufen. Viele Patienten leben jahrelang ohne Beschwerden - man sagt, sie befinden sich in Remission. Andere müssen sich auf eine Achterbahnfahrt zwischen Remission und einem Wiederaufleben der Erkrankung (Rezidiv) einstellen. Ihr Verlauf ist intermittierend oder rezidivierend. Wieder andere leiden andauernd unter mehr oder weniger ausgeprägten Symptomen. Man spricht dann von einem chronisch-aktiven Verlauf. Viele Betroffene würden daher gerne einen Blick in die Glaskugel werfen, um etwas über ihre Zukunft zu erfahren.

Die Sprache der Statistik
Man weiß heute, dass die Lebenserwartung von CED-Patienten gegenüber der Allgemeinbevölkerung kaum eingeschränkt ist. Der geringe Unterschied geht auf die sehr seltenen Fälle zurück, in denen Patienten beispielsweise an einer CED-bedingten Blutvergiftung, an den Folgen einer Operation oder an einem Dickdarmkrebs versterben.

Weiter geht aus Studien hervor, dass etwa jeder fünfte Patient nach dem ersten Auftreten seiner CED mit einer mehrjährigen Remission rechnen kann. Je länger sie anhält, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem erneuten Schub kommt. Andere Daten zeigen, dass 90 Prozent aller CED-Kranken einer Arbeit nachgehen können.

Schließlich tragen Patienten mit Colitis ulcerosa und mit Morbus Crohn und gleichzeitigem Befall des Dickdarms ein erhöhtes Risiko für einen Dickdarmkrebs (Kolorektales Karzinom). Betroffene sollten daher nach achtjähriger Krankheitsdauer an einem Krebs-Früherkennungsprogramm mit regelmäßigen Endoskopien teilnehmen.

Individuelle Risiken
Nun sagen diese Statistiken nichts über den individuellen Verlauf aus. Der ist auf Grund der Komplexität der Erkrankung kaum vorherzusehen. Als gesichert gilt der ungünstige Einfluss des Rauchens auf einen Morbus Crohn. Weiter spielt – zumindest bei der Colitis ulcerosa - das Ausmaß der Entzündung eine prognostische Rolle. Je ausgedehnter der Dickdarm befallen ist, umso mehr muss mit schwierigen Verläufen gerechnet werden.

Beschwerdenfreiheit versus Stoma
Eine definitive Heilung ist derzeit weder beim Morbus Crohn noch bei der Colitis ulcerosa möglich. Allerdings lässt sich die Colitis ausschalten, indem man den Dickdarm auf gesamter Länge entfernt (Kolektomie). Diese Patienten sind ihre Beschwerden los, müssen aber fortan mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) oder einem Pouch leben. Diese Option hat man beim Morbus Crohn nicht. Er kann ja den gesamten Verdauungstrakt befallen, sodass nach einer Entfernung erkrankter Abschnitte nicht selten Entzündungen an anderer Stelle auftreten.



Rauchen: Besser nicht!

Rezidivrisiko Zigarette
Manche Patienten haben es selbst in der Hand, ihre Prognose zu verbessern: zum Beispiel, indem sie sich den Griff zur Zigarette abgewöhnen. Bei Rauchern mit Morbus Crohn ist die Schubhäufigkeit erhöht, sie benötigen öfter Immunsuppressiva und müssen sich auch häufiger Operationen unterziehen.

Daneben kann in der Langzeittherapie auch eine nachlässige Medikamenteneinnahme zum Wiederaufleben der Erkrankung führen. Mehr dazu in unserem Brennpunkt "Kein Bock auf Pillen".
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