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„Ich weiß nicht warum, aber es funktioniert!“
Ronald Plettau lässt die Colitis ulcerosa an Land zurück, sobald er die Planken eines Bootes betritt.
Gut 20 Jahre ist es her, dass bei dem Software-Ingenieur aus Mecklenburg-Vorpommern zum ersten Mal Durchfälle mit Blut- und Schleimbeimengungen auftraten. „Ich hatte damals weder Zeit noch Lust zum krank sein, und außerdem waren Verdauungsprobleme damals ein Tabuthema“, sagt er rückblickend. Da außerdem gerade ein Campingurlaub anstand und er schon damals ein „gnadenloser Optimist“ war, vertraute Ronald auf die Kraft der Selbstheilung. „Was von alleine kommt, geht auch von alleine wieder, sagte ich zu mir, und begab mich auf die Reise.“ "Ich habe Krebs!" Leider gingen die Probleme nicht von allein wieder. Stattdessen wurde der Urlaub auf verschiedenen Campingplätzen eher zur Hölle. Gleich nach der Rückkehr griff sich Ronald daher eine medizinische Enzyklopädie und versuchte sich kundig zu machen. „Dort wurden mehrere Ursachen für meine Problem beschrieben, darunter Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, aber auch Darmkrebs.“ Als er das las, wurde aus seinem Optimismus schiere Panik: „Ich habe Krebs“, war er sich sicher. So schnell es ging, suchte er seine Betriebsärztin auf, die ihm klar machte, dass neben dem Krebs eine Reihe weiterer Ursachen möglich seien. „Es wurden einige Untersuchungen durchgeführt, unter anderem eine Darmspiegelung, und die Diagnose Colitis ulcerosa war schnell gestellt“, erinnert sich Ronald. Schon damals erfuhr er, dass die Erkrankung in Schüben verläuft; dass es Patienten gibt, bei denen sie über lange Zeit hinweg aktiv ist, aber auch Patienten, die über viele Jahre beschwerdefrei sind. „Ich kam aus dem ersten Schub recht schnell wieder heraus und mein Optimismus gewann wieder die Oberhand“, erzählt Ronald. Wo ist die nächste Toilette? Leider dauerte die schubfreie Zeit nicht sehr lange. In den folgenden Jahren wechselten sich Schübe und Zeiten der Remission ab, wobei die Schübe schwerer und länger wurden. 1988 war Ronald dann über drei Monate in stationärer Behandlung. „Trotz sehr guter und intensiver Betreuung verschlechterte sich mein Zustand immmer mehr, und ich hatte die Hoffnung aufgegeben, das Krankenhaus lebend zu verlassen. Die Wende brachte dann der Einsatz von Azathioprin.“ Mit dem Medikament ließen sich die Schübe immer wieder schnell in den Griff kriegen, nicht aber ein anderes Problem – der Stuhldrang. So musste er erleben, wie es ist, wenn man an einem sonnigen Sommersonntag in einem großen Zoo die Toilette nicht mehr erreicht und dann keine Sachen zum Wechseln dabei hat. „Der Weg nach Hause war die Hölle“, sagt Ronald. „Solche Erfahrungen führten dazu, dass ich mich zeitweise nicht mehr aus dem Haus traute.“ Allein der Gedanke, keine Toilette zu erreichen, trieb den Stuhldrang an. Hilfe brachte in dieser Situation psychologische Betreuung. Segelfieber In den folgenden Jahren lernte Ronald die DCCV und durch die Arbeit in der Vereinigung seine Frau kennen. 2000 wurde der Sohn geboren. „Wir wohnen nahe der Stadt Bitterfeld zwischen zwei wunderschönen und großen Seen. Deshalb sollte Jan so früh wie möglich das Schwimmen lernen.“ Die früheste Möglichkeit bot damals ein Segelclub in der Nachbarschaft an. Nachdem Jan sein Seepferdchen erworben hatte, nahm er mit fünf Jahren an einem Schnuppertraining mit Optimisten teil. „Und da hat es mich dann erwischt, das Segelfieber“, lacht Ronald. „Ich habe 35 Jahre meines Lebens in Rostock verbracht. Nie wäre ich dort auf die Idee gekommen, das Segeln zu erlernen. Zum Einen war es in der DDR nicht einfach, auf der Ostsee zu segeln und zum Anderen galt Segeln für mich immer als elitärer und teurer Sport. Und dann war da ja noch das Problem mit der Toilette, die es auf einer Jolle nun mal nicht gibt.“ Trotzdem ergriff Ronald die erste Gelegenheit und lernte das Segeln. Eine Begeisterung, die keinen Raum für andere Dinge lässt „Es ist ein wunderschöner Sport“, schwärmt er. „Gerade mit einer Jolle kann man den Wind, das Wasser, die Wellen und vor allem die frische Luft erleben. Es ist entspannend, sich nur vom Wind getrieben auf dem Wasser zu bewegen. Es ist spannend, gerade bei drehenden oder böigen Winden das Boot optimal zu trimmen.“ Neben der Jolle segelt Ronald manchmal auch mit Gästen auf einem Segelkutter. „Es ist immer wieder interessant, Einheimischen und Gästen die inzwischen wieder wunderschöne Natur unmittelbar neben Bitterfeld vom Wasser aus zu zeigen. Und mit unserem Sohn Jan habe ich ein weiteres gemeinsames Hobby.“ Und wie geht das nun mit der Colitis? „Ich weiß nicht warum, aber es funktioniert“, sagt Ronald. „In anderen Situationen ist es oft so, dass der Stuhldrang einsetzt, wenn ich weiß, das ich in der nächsten Zeit keine Toilette finden werde.“ Nicht so auf dem Wasser. „Vielleicht ist es die Begeisterung über das Leben mit der Natur, die gar keine Zeit lässt, über andere Dinge nachzudenken“, rätselt er selber. |
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Ronald Plettau mit Sohn Jan
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