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"Heute sage ich mir, es steht mir zu!"
Sechs Arbeitsverhältnisse in knapp zehn Jahren! Für jung-dynamische High potentials mag das keine Besonderheit sein, für Manuela Albrecht war es eine Serie von Niederlagen und Enttäuschungen. Wiederholte Fehlzeiten auf Grund einer Colitis ulcerosa und viel Pech führten zu Kündigungen seitens der Arbeitgeber und freiwilligen Wechseln ihrerseits. Heute bezieht die 36-jährige Braunschweigerin Erwerbsunfähigkeitsrente und überlegt, wie sie wieder ins Arbeitsleben zurückkommt.

Manuela Albrecht ist Zahnarzthelferin. Gewesen müsste man eigentlich ergänzen, denn in ihrem angestammten Beruf arbeitet sie schon seit Jahren nicht mehr. Dabei hat ihr die Tätigkeit einmal viel Spaß gemacht.

Es war August 1992 als sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatte. Sie arbeitete damals in einer kleinen Praxis, mit einer Chefin und fünf Kolleginnen. "Die Praxis war immer voll und der Job ganz schön hart", erinnert sich Manuela. "Wir standen von morgens halb acht Uhr bis spät abends auf den Beinen. Zwischendrin war gerade mal Zeit für eine knappe Mittagspause, und nicht selten kamen wir erst um halb zehn aus der Praxis." Wenn dann jemand fehlte, konnten das die anderen nur noch schwer auffangen.

‚Betriebsbedingte' Kündigung
Manuela fehlte oft in diesem Jahr, insgesamt etwa eineinhalb Monate. "Immer mit Krankschreibung", wie sie betont. Aber das ist dann irgendwann auch egal. Die Kolleginnen begannen sie zu schneiden und sprachen nur noch das Nötigste mit ihr. Und auch die Chefin zeigte kein Verständnis. Als Manuela mal wieder krank geschrieben war, regte sie sich auf, während sie bei einer Kollegin, die drei Tage unentschuldigt fehlte, kein Wort verlor. "Ich fand das so ungerecht", sagt Manuela.

Schließlich kam die Kündigung - ‚betriebsbedingt', wie es hieß. Als sie dann erneut krank geschrieben wurde, schickte sie ihre Chefin auch noch zum Vertrauensarzt. Der aber bestätigte die Schwere ihrer Erkrankung, und so blieb sie bis zum Eintritt der Kündigung auch krank geschrieben.

Es folgten weitere Beschäftigungen, zunächst wieder in kieferorthopädischen oder zahnärztlichen Praxen. Einmal ging es der Praxis tatsächlich nicht gut, und die Kündigung traf Manuela. Ein andermal verlegte die Chefin ihre Praxis in eine andere Stadt, in die für Manuela der Weg zu weit war. Und als sie 1996 während eines Erziehungsurlaubes auf 630-Mark-Basis in einer Boutique arbeitete, machte ihr die Colitis wieder einen Strich durch die Rechnung. "Nach einem akuten Schub merkte ich, wie die Stimmung kippte", sagt Manuela. "Ich wurde auch immer seltener eingeteilt, sodass ich von mir aus aufhörte."

Einen letzten Anlauf unternahm sie im November 2000, wieder in einer Zahnarztpraxis. Als sie dann wegen eines Schubes von Dezember 2000 bis Juni 2001 krank geschrieben werden musste, riet ihr ihr Internist, eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Der Antrag wurde genehmigt und bis heute erhält Manuela monatlich eine Rente von 760 €. Aber es war ja nicht allein ihr Arbeitsleben, das unter der Colitis leiden musste.

Ein Knacks für's Selbstbewusstsein
"Das alles kratzt ganz dolle am Selbstbewusstsein", sagt Manuela rückblickend. Was sie meint, das sind neben den Enttäuschungen über die Arbeitsplatzwechsel auch die Folgen der langjährigen Kortisontherapie. "Ich wurde depressiv, hatte 15 bis 20 Kilogramm Gewicht zugenommen und ging auf wie ein Hefekloß. Auch meine Gelenke sind wegen des vielen Kortisons nicht mehr die besten." Die Auswirkungen beeinträchtigten allmählich auch das Leben zuhause.
Die Familie musste sich mehr und mehr nach Manuelas Erkrankung richten, alles Spontane blieb auf der Strecke. "Mein Mann war zwar für mich da, aber letztlich war auch er hilflos angesichts meiner Situation."

Als ob das alles nicht genug wäre, kamen schließlich noch wirtschaftliche Probleme hinzu. Manuelas Mann musste mit seinem Betrieb Insolvenz anmelden und zeitgleich wurde der Verlängerung der Erwerbsunfähigkeitsrente, die alle eineinhalb Jahre notwendig wird, nicht zugestimmt. "Wir standen damals kurz vor der Scheidung", erinnert sich Manuela. "Und es hat einige Zeit gedauert, bis sich alles wieder einrenkte."

Die Neider sind auch da
Heute ist es nach wie vor so, dass längere Zeit krank ist als gesund. Aber mit einer Psychotherapie hat Manuela die seelischen Probleme in den Griff bekommen und Kortison nimmt sie nicht mehr. "Sobald ich das Gefühl habe, dass sich wieder ein Schub anbahnt, nehme ich stattdessen einen Mesalazin Rektalschaum." Und es gibt heute auch wieder Tage, an denen es ihr richtig gut geht.

"Da zieht man sich dann mal wieder schick an und schminkt sich und schon kommen freche Kommentare", weiß Manuela aus leidvoller Erfahrung. "Da heißt es dann, ‚Du siehst doch ganz gesund aus, wieso kriegst Du überhaupt eine Rente' und so weiter." Früher hat sie manchmal wirklich Gewissensbisse bekommen, noch dazu wo sie gerne wieder arbeiten würde. "Aber bislang hat der nächste Schub nie allzu lange auf sich warten lassen, und es ist auch alles andere als einfach, eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu bekommen. Heute sage ich mir daher, es steht mir zu."

Ein CED-tauglicher Job
Trotzdem stellt sich für Manuela die Frage, wie es weitergeht. "Die Rente kann mir ja wieder aberkannt werden. Dann würde uns das Geld fehlen, aber ich hätte deswegen nicht gleich einen neuen Job", sagt Manuela. In ihren alten Beruf kann sie zumindest nicht mehr zurück.

"Jobs, bei denen man direkt mit Menschen zu tun hat, sind für eine Colitis-ulcerosa-Patientin weniger geeignet", ist sie sich sicher. "Wenn man als Zahnarzthelferin gerade bei einem Patienten steht und absaugt, dann ist das schon sehr unpassend immer wieder auf die Toilette zu rennen." Eine Tätigkeit, die sie in Heimarbeit machen könnte, das wäre es. Momentan geht die Planung daher in eine ganz andere Richtung.

Manuela will eine qualifizierte Ausbildung zur Tagesmutter absolvieren. Die Idee dazu entstand aus einem Engagement ihres Mannes. Er macht neben seiner Arbeit bei der Berufsfeuerwehr ein Selbstbehauptungs- und Sicherheitstraining für Kinder. Die Kurse für Schüler werden derzeit in Schulen abgehalten. Künftig sollen aber auch Kurse für Mütter mit kleinen Kindern in eigens angemieteten Räumen angeboten werden, und Manuela würde dann während des Unterrichts auf die Kinder aufpassen. Eine ideale Kombination - quasi von zuhause aus arbeiten und an den Menschen.

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