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Medizinischer Expertenservice
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Schöne neue (Toiletten)Welt
09.11.07 - Am 19. November ist Welttoilettentag. Er dient dazu, auf Defizite in der Versorgung mit sanitären Einrichtungen hinzuweisen und Benutzer zu einem pfleglichen Umgang mit Toiletten zu bewegen. Ein guter Anlass für uns, mal nach dem Zustand öffentlicher Klos in Deutschland zu fragen. Einer der sich damit auskennt, ist Johannes Bergmann, Architekt und Projektleiter für Stadtmöblierung bei der Ströer Out-of-Home Media AG, Köln.
Herr Bergmann, welche Schulnote geben Sie den öffentlichen Toiletten in Deutschland? Bergmann: In Bezug auf Menge und Zustand kann ich bei den Anlagen in kommunaler Bewirtschaftung leider keine guten Noten verteilen. Warum nicht? Bergmann: Die meisten öffentlichen Toiletten in Deutschland sind relativ alt. Sie wurden in größerem Umfang ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit der Verdichtung der Stadtzentren und dem Aufkommen der Straßenbahnen errichtet. Weitere Installationswellen gab es dann nach dem zweiten Weltkrieg und noch mal in den 1970er Jahren, wiederum im Zusammenhang mit dem öffentlichen Nahverkehr. Ein Beispiel dafür ist München, wo mit der Verkehrsinfrastruktur für die Olympiade viele sanitäre Einrichtungen geschaffen wurden. Seit dieser Zeit sind nur wenige Anlagen saniert worden, weil ihr Unterhalt personal- und damit kostenintensiv ist. Die meisten befinden sich in entsprechendem Zustand. Gleiches gilt für die Akzeptanz seitens der Bürger. Viele wissen schon gar nicht mehr, dass beziehungsweise wo es öffentliche Toiletten gibt und weichen auf Anlagen in Restaurants oder Kaufhäusern aus. Mittlerweile gibt es auch gebührenpflichtige Einrichtungen etwa an Bahnhöfen. Ist die Privatisierung ein Ausweg? Bergmann: Nach meinen Erkenntnissen sind diese Einrichtungen überwiegend in einem guten Zustand, allerdings handelt es sich dabei oft um ein relativ teures Vergnügen. Das liegt daran, dass die Gebühren nicht kommunal festgelegt sind, sondern privatwirtschaftlich kalkuliert werden. 60 Cent für den Besuch eines Pissoirs und 1,10 Euro oder mehr für das WC sind meines Erachtens aber sozial ausgrenzend. Sie verfolgen ein anderes Modell und stellen den Kommunen moderne Toiletten zur Verfügung. Im Gegenzug erhalten Sie das Recht, die Einrichtungen durch den Verkauf von Werbeflächen zu refinanzieren. Was zeichnet diese ‚modernen’ Toiletten aus? Bergmann: Einen wesentlichen Platz in der Planung nimmt der barrierefreie Zugang ein. Weiter sollen die Anlagen präsent und nicht irgendwo im Untergrund versteckt sein. Das sorgt dafür, dass die Menschen sie wahrnehmen, und zusätzlich erzielt man einen gewissen Schutz vor Vandalismus. Schließlich sollen die Anlagen so konstruiert und betrieben werden, dass sie dem Hygienebedürfnis der Benutzer entgegenkommen. Wesentliche Elemente sind etwa eine gute Belüftung oder berührungslos zu bedienende Installationen, wie Seifenspender, Spülungen oder Wasserhähne. Das verhindert im Übrigen auch, dass derartige Einrichtungen aus Ekel mit dem Fuß bedient und damit beschmutzt oder zerstört werden. Und schließlich sollten die Anlagen auch leicht und automatisch zu reinigen sein. So schwenken bei unseren modernen Ausführungen die Urinale und Toiletten in eine spezielle Kammer und werden dort ähnlich wie in einer Geschirrspülmaschine gereinigt. Wie ist die Akzeptanz seitens der Benutzer? Bergmann: Nach Zählungen sind es nach wie vor in erster Linie Männer, die öffentliche Toiletten benutzen. Frauen ist der unmittelbare Kontakt mit der Toilette meist unangenehm und sie vermuten ein Ansteckungsrisiko. Was sagen Sie den Benutzern, um derartige Bedenken zu zerstreuen? Bergmann: Die Einrichtungen werden in Zyklen automatisch gereinigt. Bei den Urinalen und den Böden ist das – je nach Standort und Witterung – alle zehn bis 20 Nutzungen der Fall, bei den Toilettensitzen nach jeder Nutzung. Dabei werden die Oberflächen durch heißes Wasser thermisch desinfiziert, ohne chemische Zusätze. Wir haben bei unseren Anlagen eine Hygieneprüfung vom TÜV vornehmen lassen. Die hat bestätigt, dass es unter diesen Bedingungen zu keiner Keimbelastung kommt. Was können die Nutzer selbst dazu beitragen, dass der Zustand der öffentlichen Toiletten wieder besser wird? Bergmann: In den vergangenen Jahren ist im Umgang mit öffentlichen Einrichtungen eine gewisse Sorglosigkeit entstanden. Das zeigt sich auch an Toiletten, die beschädigt oder unsachgemäß bedient werden. Dabei sind dies doch Einrichtungen, die allen zu Gute kommen. Ich wünsche mir, dass dafür wieder ein Bewusstsein entsteht. Klolektüre - Unser TippSie ist Tabuzone und gleichzeitig Meilenstein der menschlichen Kulturgeschichte: die Toilette. Liegt das eine noch auf der Hand, bedarf das andere eines genaueren Blickes. Den vermittelt Daniel Furrer in seinem Buch Wasserthron und Donnerbalken auf vergnügliche Weise. Der Schweizer Historiker nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise, die 3.000 vor Christus beginnt und erst in der Gegenwart endet. Furrers Schilderungen reichen von den ersten überlieferten Hygieneanweisungen nomadisch lebender Israeliten, über die schwer vorstellbaren Zustände in den Städten des Mittelalters bis zu den Entsorgungsproblemen und –lösungen der wachsenden Bevölkerung in der Neuzeit. Eine unterhaltsame Lektüre – ideal für das stille Örtchen. 19,90 €, Erschienen im Primus-Verlag |
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Barrierefreie Zugänge, vollautomatische Reinigung, berührungslose Bedienelemente - die Toilette von heute wartet mit allerlei technischen Superlativen auf.
Wissenswertes rund ums Häuschen Selbsttest Wie verhalten Sie sich auf öffentlichen Toiletten? Sind Sie Ferkel oder Vorbild? Wenn Sie sich selbst nicht ganz sicher sind, dann machen Sie doch einfach diesen Test zur "Bathroom-Etiquette". Zum Test... Sprachführer Falls Sie wirklich nicht wissen sollten, wie man auf weißrussisch nach dem Weg zur Toilette fragt, dann klicken Sie hier: Zum Sprachführer "Wo bitte geht's zur Toilette?"... |
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