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Medizinischer Expertenservice
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Stressbremse Progressive Muskelrelaxation: Entspannung durch Anspannung
31.03.08 - Wissenschaftliche Untersuchungen haben mittlerweile gezeigt: Stress ist nicht der Auslöser für CED. Doch auch wenn die Krankheit selbst nicht im Kopf entsteht, kann psychischer Druck Symptome verstärken oder zum Wiederaufflackern führen, betont die Deutsche Morbus Crohn/ Colitis Ulcerosa Vereinigung DCCV. Dagegen helfen Entspannungsübungen wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.


Keine Psychokrankheit

Mitte des vergangenen Jahrhunderts galt Morbus Crohn noch als eine der sieben klassischen psychosomatischen Erkrankungen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen hinterfragten diese Annahme kritisch. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Weder gibt es eine bestimmte „CED-Persönlichkeit“, noch lassen sich typische Konfliktmuster bei der Entstehung von chronischen Darmentzündungen herauskristallisieren.

Dennoch existiert ein Zusammenhang zwischen CED und psychischen Faktoren, der allerdings wesentlich vielschichtiger ist als bisher angenommen. Zum einen kann mentaler Stress einen Krankheitsschub auslösen. Zum anderen weckt die Erkrankung selbst negative Gefühle wie Angst oder Verzweiflung. Diese können bis hin zu Depressionen führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und abgebaut werden.


Körpereigenes Notfallprogramm

Was aber ist Stress? Grundsätzlich etwas Positives. In der Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens half ein eingebautes Notfallprogramm den Menschen zu überleben. In Stresssituationen wird es abgerufen. In unserem Körper laufen dann eine Reihe von Mechanismen ab, die uns befähigen, schnell auf eine bedrohliche Situation zu reagieren.

Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet, die Atmung beschleunigt sich, das Herz pumpt schneller. Während in die Muskeln mehr Blut fließt, werden andere Vorgänge wie die Verdauung zurückgefahren. Der Körper macht mobil für Flucht oder Verteidigung.

Das Problem: Was zu Urzeiten die geeignete Problemlösung war, ist nicht das Mittel der Wahl gegen neuzeitliche Stressoren wie Krach in der Beziehungskiste, Ärger am Arbeitsplatz oder finanzielle Engpässe. Durch sie geraten wir in einen permanenten Alarmzustand, aber die bereitgestellten Ressourcen werden nicht abgerufen. Auf Dauer richtet sich der ursprünglich positive Reaktionsmechanismus gegen den eigenen Körper


Schnelle Entspannungstechnik

Entspannungstechniken wie Yoga, Tai Chi oder Autogenes Training helfen diese fatale Dynamik zu durchbrechen. Eine Methode, die von Ärzten häufig empfohlen wird, ist die Progressive Muskelrelaxation (PMR). Sie wurde in den 1930er Jahren von dem US-amerikanischen Arzt und Physiologen Edmund Jacobson entwickelt.

Jacobson hatte beobachtet, dass eine Anspannung der Muskulatur häufig von Unruhe, Angst und psychischer Spannung begleitet wird. Bei PMR werden deshalb die einzelnen Muskelpartien gezielt angespannt und wieder gelockert. Dadurch sinkt der erhöhte Muskeltonus wieder ab. Verkrampfungen lösen sich, Atem und Herzschlag werden verlangsamt, die Hautgefäße erweitern sich, der Übende fühlt sich angenehm durchwärmt und relaxt.

Auf diese Weise kann die PMR psychische Begleiterscheinungen chronisch entzündlicher Erkrankungen vorbeugen oder lindern und eventuell sogar die Krankheitsaktivität beeinflussen.

Der Vorteil dieser Technik ist, dass sie verhältnismäßig schnell und einfach zu erlernen ist. Durch regelmäßige Übung verbessert sich die Körperwahrnehmung. So kann der Anwender jederzeit rasch den Entspannungszustand herbeiführen – auch unterwegs oder am Arbeitsplatz. Progressive Muskelrelaxation wird in Kursen angeboten. Veranstalter sind zum Beispiel die gesetzlichen Krankenkassen oder Volkshochschulen. Es gibt auch Bücher, CDs oder Videolektionen zum Selbstlernen für zu Hause.
Einsteigerübung

Liegen Sie ruhig auf dem Rücken. Schließen Sie die Augen. Spannen Sie nun bewusst der Reihe nach alle Muskelpartien für ca. fünf bis sieben Sekunden an. Dann lockern Sie diese für 20 bis 30 Sekunden. Als Reihenfolge bietet sich an: rechte Hand, linke Hand, Arme, Schultern, Beine, Bauchdecke, Rücken und Gesäß. Zum Anspannen der Nackenmuskulatur drücken Sie den Kopf fest auf den Boden. Zum Abschluss beißen Sie die Kiefermuskeln zusammen. Bleiben sie danach noch einige Minuten liegen und vergleichen Sie das Gefühl mit dem Zustand vor der Entspannung.

Eine Übungsanleitung zum Herunterladen finden Sie auch auf der Website der Schmerzakademie.
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