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Medizinischer Expertenservice
Sie haben eine spezielle Frage zu Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa? Unser Experte Prof. Dr. med. Andreas Stallmach antwortet Ihnen direkt per e-mail.
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Dafür ist ein Kräutlein gewachsen
28.04.08 - Zweimal täglich Zähne putzen! Die richtige Behandlung unserer im Verlustfall so teuren Beißer gehört zum hygienischen Basiswissen, das schon Kindergarten und Grundschule lehren. Dagegen ist das andere Ende des Verdauungstrakts kein Thema für die öffentliche Gesundheit. Ein Blick über den Tellerrand zeigt jedoch: Andere Kulturen unterstützen die Darmfunktion ganz bewusst.

Er ist rund fünf bis acht Meter lang, hat insgesamt 400 Quadratmeter Oberfläche auf Millionen von faltigen Zotten und beherbergt Milliarden von nützlichen Bakterien: Unser Darm ist ein gigantisches Stück Lebenskraft. CED-Patienten wissen aus eigener oft schmerzlicher Erfahrung, wie sehr die Lebensqualität von einer geregelten Verdauung abhängt.

Inneres Feuer

Fernöstliche Gesundheitslehren unterstützen das Organ im Mittelpunkt unseres Körpers häufig ganz bewusst. Zahlreiche Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen berichten von guten Erfahrungen mit indischem Flohsamen zur Normalisierung der Stuhlkonsistenz. Und Yoga hilft nicht nur gegen Stress, sondern schürt durch bestimmte Übungen (Asanas) auch das „innere Feuer“ oder „Verdauungsfeuer“, um dadurch die Verdauung zu verbessern.

Weniger bekannt, finden sich auch in der mitteleuropäischen Tradition zahlreiche Hausmittel und Rezepte für eine regelmäßige vorbeugende Darmpflege. Diese können bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa eine Anregung für die Ernährung in der nichtakuten Phase bieten. Dabei gilt jedoch: Die Verträglichkeit ist bei CED-Patienten individuell ganz verschieden. Testen Sie Nahrungsmittel einzeln aus, bis Sie diese Ihrem Speiseplan hinzufügen, um Nebenwirkungen auszuschließen. Beachten Sie auch etwaige Diätvorschriften, und fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Arzt.

Bitter macht fitter

„Was bitter im Mund, ist dem Körper gesund“, heißt ein altes Sprichwort. Für CED-Patienten auf den ersten Blick ein Reizthema, müssen doch viele aus Verträglichkeitsgründen auf das geliebte Tässchen Kaffee verzichten. Und auch das Gläschen Magenbitter nach dem Essen empfiehlt sich häufig aufgrund des Alkoholgehaltes nicht.

Viele bittere Substanzen haben jedoch tatsächlich eine positive Wirkung auf die Verdauung. Die Bitterstoffe regen Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenblase an. Dadurch schüttet der Körper mehr Nahrung spaltende Enzyme aus. Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße werden schneller verdaut und es bleiben weniger schädliche Schlacken und Fäulnisstoffe im Darm zurück.

Angenehmer Nebeneffekt: Der bittere Geschmack zügelt den Appetit und wirkt so als natürliche Essbremse. Doch weil die meisten von uns lieber süß als herb mögen, hat die Nahrungsmittelindustrie aus den modernen Obst- und Gemüsesorten die Bitterstoffe weitgehend herausgezüchtet. Chicorée, Grapefruit, Endivien, oder Radicchio schmecken heute viel milder als früher.

Wilde Kräuter

Eine Alternative bieten Wildpflanzen. Diese sprießen gerade im Frühling reichlich. Wie wär’s einmal mit gedünsteten zarten Löwenzahnknospen? Oder einem Tee aus Blutwurz, Tormentill? Den empfahl schon die mittelalterliche Ordensschwester Hildegard von Bingen gegen „überflüssige und giftige Säfte“. Die bittere Wurzel ist reich an Gerbstoffen. Diese wirken entzündungshemmend und können Durchfälle stoppen.

Doch Achtung beim Kräutersammeln in freier Wildbahn: Nur pflücken, was man wirklich kennt (und was nicht geschützt ist). Heilpflanzentees aus kontrolliertem Anbau gibt es auch in der Apotheke zu kaufen.

Über 100 natürliche Magen-Darm-Mittel trug die Benediktinerin und spätere Äbtissin Hildegard von Bingen vor ca. 1000 Jahren zusammen: Salbei und Ingwer gegen Blähungen, ein Löffelvoll Mutterkümmel zur besseren Verwertung des Mittagessens, Wermut zur Reinigung der Eingeweide. Ihr Leitspruch war: „Gegen jedes Zipperlein ist ein Kräutlein gewachsen.“

Riechzellen im Bauchhirn

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München haben nun herausgefunden, dass Küchenkräuter und Gewürze nicht nur lecker schmecken, sondern tatsächlich direkt auf das „Bauchhirn“ wirken. Sie entdeckten, dass bestimmte Zellen im Dünndarm Geruchssensoren besitzen.

Im Experiment legten die Mediziner Zellkulturen an und besprühten sie mit den Duftstoffen Thymol und Eugenol. Diese ätherischen Öle kommen unter anderem in Thymian, Bohnenkraut und Oregano (Thymol), sowie Nelken, Zimt, Basilikum, Muskat, Piment oder Lorbeer (Eugenol) vor. Daraufhin wurden die Zellen aktiv: Sie schütteten den auch als Glückshormon bekannten Botenstoff Serotonin aus. Im Darm regt Serotonin die Arbeit der Muskulatur an und bringt die Verdauungssäfte zum Fließen.

Die Forscher wollen nun weitere Duftstoffe mit einer ähnlichen Wirkung aufspüren. Außerdem gehen sie der Frage nach, ob die Allgegenwart von künstlichen Aromastoffen in Nahrungsmitteln, Putzmitteln, Raumbeduftern etc. vielleicht im Zusammenhang mit Reizdarmbeschwerden steht. Nach neuen Erkenntnissen ist das Reizdarmsyndrom möglicherweise auf einen gestörten Serotoninhaushalt im Darm zurückzuführen.

Wasser im Mund

Auf alle Fälle lässt ein appetitlich duftender Teller das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und da die Enzyme des Speichels bereits in der Mundhöhle beginnen Nährstoffe zu zersetzen, trägt ein abwechslungsreich gewürztes Essen auch zur Entlastung des Darms bei. Es gilt: „Gut gekaut ist halb verdaut“. Womit wir wieder beim Thema Zähne wären...

  sehr gut gut geht so schlecht
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Einst ein echter "Magenbitter" ist der Chicoree heutiger Züchtung weit milder im Geschmack. Allerdings hat er dadurch etwas von seiner verdauungsfördernden Wirkung eingebüßt.
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