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Ungebremst durchs Leben
21.07.08 - Studentenjob, Freizeitsport und Endspurt an der Uni – René gibt Gas. Der 25jährige schreibt seine Abschlussarbeit im Fach Erziehungswissenschaft. Daneben jobbt er wöchentlich 10 Stunden in der Kindertagestätte der Uni und geht vier- bis fünfmal die Woche Laufen. Ein volles Programm, das der 25jährige trotz seines Morbus Crohn durchzieht. Und das, obwohl er vor 8 Jahren mit 45 kg Gewicht bei 1,80 m Größe ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

René war gerade in der 12. Klasse. Nach langen Koliken, Durchfällen und Gewichtsverlust wurde schließlich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung festgestellt. „Ich war nur noch Haut und Knochen.“ Ein Tiefschlag für die ganze Familie: „Meine Eltern waren noch mehr geschockt als ich selbst“, erinnert sich René.

Nach einem sechswöchigen Krankenhausaufenthalt gelang es zwar, René medikamentös einzustellen. Doch er hatte den Anschluss verloren, musste die Klasse wiederholen. „Ich war schon vorher ein Minimalist“, grinst René, „das konnte ich einfach nicht aufholen.“

Eine Zeit voll Zukunftssorgen begann: Wie sollte der damals 17jährige mit seiner chronischen Erkrankung das Abitur und eine Berufsausbildung stemmen?

Thema gefunden

Doch der Gymnasiast machte das Beste aus seiner Situation. Zuerst bastelte er eine viel beachtete Webseite über chronisch entzündliche Darmerkrankungen. „Ich hatte mich schon längere Zeit mit Webseitenprogrammierung beschäftigt. Mir fehlte nur ein interessantes Thema für eine eigene Seite. Das hatte ich nun glücklicherweise – oder dummerweise – gefunden.“

Nach dem Abitur begann René eine Ausbildung zum Koch, die er aber bald abbrach. „Der raue Umgangston und der Stress in der Küche schlugen mir auf den Magen.“ Auch das Internet war für ihn nur ein Hobby, keine berufliche Perspektive: „Ich möchte mit Menschen arbeiten, nicht den ganzen Tag vor dem PC sitzen.“

Ein freiwilliges soziales Jahr in einer Tagesförderstätte für schwerstmehrfachbehinderte Erwachsene gab den Anstoß zur Berufswahl. René schlug einen Bachelor-Studiengang Erziehungswissenschaften ein. Dieser ist nun fast abgeschlossen. Im September muss René die Bachelorarbeit abgeben. Wenn alles gut geht, will er noch einen zweijährigen Masterstudiengang anhängen und dann eine feste Stelle suchen.

Richtige Dosierung

Bei diesen engagierten Zukunftsplänen konnte der Morbus Crohn René bisher nicht ausbremsen, auch wenn die Erkrankung in regelmäßigen Abständen wieder aufflackert. „Etwa einmal im Jahr entzündet sich mein Darm.“

Dabei macht sich der angehende Pädagoge natürlich Gedanken über die möglichen seelischen Ursachen: „Meistens habe ich das Gefühl, ich weiß, woran es liegt. Das letzte Mal war zum Beispiel am Semesterende, als nach den Prüfungen und Hausarbeiten die ganze Anspannung von mir abfiel.“

Mit dem Glucocorticoid Budesonid, Mesalazin und dem Immunsuppressivum Azathioprin gelang es ihm bisher jedoch stets, den Schub schnell in den Griff zu bekommen. „Inzwischen kenne ich meinen Körper so gut, dass ich über die Dosierung selbst entscheide. Mein Hausarzt sagt auch, dass ich mein bester Arzt bin.“

Praktikum in Indien

Das Vertrauen in seinen Körper und die richtigen Medikamente ist so groß, dass René acuh vor großen Herausforderungen nicht Halt macht. Dazu zählt ein sechswöchiges Berufspraktikum in einer Behinderteneinrichtung in Indien. „Ich habe davor ein längeres Gespräch mit meinem Arzt geführt, und er meinte, dass ich das gut wagen kann.“

Tatsächlich erlitt René während des Tropenaufenthalts nur einen kurzen gesundheitlichen Zwischenfall: „Man hatte uns vor der indischen Cola gewarnt. Diese soll sehr belastet mit Schadstoffen sein.“ Bei einem Ausflug waren jedoch keine anderen Durstlöscher greifbar. „Danach bekam ich wirklich Durchfall, aber mit Budesonid war er schnell wieder weg.“

Durststreckentraining

Für René ist die chronische Darmentzündung kein Handicap. Er hat gelernt mit Krisen umzugehen und baut sein Leben Stück für Stück nach seinen Vorstellungen auf. Dazu gehört eine Partnerin, mit der er seit drei Jahren zusammenwohnt. Auch Renés Eltern nehmen die Erkrankung inzwischen „ziemlich locker“. René findet sogar eine positive Seite. „Ich mache Sport und achte auf meine Ernährung. Ohne den Crohn würde ich vermutlich nicht so gesund leben.“

Vielleicht liegt es an seiner unverkrampften Lebenseinstellung, dass René Durststrecken so gut ertragen kann. 2009 will er beim Hannover-Marathon antreten. Schon mit 17 bereitete er sich auf das Laufereignis in seiner Heimatstadt vor. Damals stoppte der Morbus Crohn das Projekt. Doch nächstes Mal will René dabei sein.

www.ced-ratgeber.de
Renés CED-Website - ein Ratgeber für Betroffene und Interessierte.



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