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100.000 Euro für Chancengleichheit
07.04.09 - Ein Studienjahr im Ausland oder die Meisterschule nach der Gesellenprüfung - die Verwirklichung beruflicher Träume wirft für CED-Patienten viele Fragen auf: Welchen Beruf kann ich ausüben? Schaffe ich es, die Ausbildung auf den ersten Anlauf abzuschließen oder muss ich krankheitsbedingt zwischendurch eine Auszeit nehmen? Hier will die Stiftung Darmerkrankungen helfen. Im April fällt der Startschuss zu einem neuen Stipendienprogramm für junge Menschen mit Colitis Ulcerosa.

Das Förderprogramm „Lernen fürs Leben auch mit Colitis Ulcerosa“ soll die Chancen Betroffener auf dem umkämpften Arbeitsmarkt verbessern. Die Mittel können unter anderem dazu verwendet werden, eventuelle Mehrkosten für eine Zwangspause in Studium oder Ausbildung abzufedern oder eine krankheitsbedingte Umschulung zu finanzieren, erläutert Julia Martin von der Stiftung Darmerkrankungen.

Bis 30. April können sich junge Menschen zwischen 18 und 40 Jahren mit Colitis ulcerosa um ein Stipendium bewerben. Aus den Zuschriften werden zehn Kandidaten ausgewählt, die einen Ausbildungszuschuss von maximal 10.000 Euro pro Person erhalten. Eine entsprechende Initiative für Crohn-Patienten befindet sich in Vorbereitung und soll möglichst in diesem Jahr folgen.

Förderwürdig sind laut Satzung individuelle, erfolgversprechende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in den Bereichen Musik, Bildende und Darstellende Kunst, Wissenschaft, Handwerk oder Sport, „die den Stipendiaten in seiner persönlichen Entwicklung voranbringen“. Die Entscheidung über die Vergaben trifft ein Kuratorium aus Vertretern von Medizin, Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur sowie der Deutschen Morbus Crohn/ Colitis Ulcerosa Vereinigung DCCV.

Bewerbungsunterlagen

Die Kandidaten werden gebeten, ihre Motivation für die Bewerbung in einem formlosen Anschreiben zu schildern. Zusätzlich sollen sie das Ausbildungsvorhaben auf maximal 2 DIN-A-4-Seiten darlegen. Ferner gehören zu den Bewerbungsunterlagen ein tabellarischer Lebenslauf, der ausgefüllte Bewerbungsbogen sowie eine fachärztliche Bescheinigung der CU-Erkrankung.

„Nicht über einen Kamm scheren“

Neben der konkreten finanziellen Hilfe für begabte Betroffene soll die Maßnahme auch ein gesellschaftliches Zeichen setzen, hebt Julia Martin hervor. „CED sind keine seltene Krankheit. Die Zahl der Patienten wird deutschlandweit auf 300.000 bis 320.000 geschätzt. Bei der Mehrzahl wird die Erkrankung im Alter zwischen 20 und 30 Jahren entdeckt – also genau in den Jahren, in denen die Weichen für Beruf und Ausbildung gestellt werden.“

Mit ihrer Initiative will die Stiftung Darmerkrankungen dazu beitragen, dass Betroffene nicht in eine Ecke abgeschoben werden: „CED-Erkrankungen lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Die Verläufe sind individuell völlig unterschiedlich.“

Finanziell selbständig

Das Stipendienprogramm soll den ausgewählten Kandidaten Mut machen, ihren persönlichen Lebensweg zu gehen. Die individuellen Ziele können ganz unterschiedlicher Natur sein: ob es sich dabei um ein ehrgeiziges Forschungsvorhaben im Ausland handelt oder eine privat zu finanzierende Zusatzausbildung.

„Wir wollen den Bewerbern vor allem auch helfen, die praktische Frage zu lösen, welcher Beruf ihnen letztendlich ein finanziell selbständiges Leben ermöglicht“, berichtet Julia Martin.

Erste Bewerbungen sind bereits eingegangen. Und die hohe Zahl von Rückfragen zeigt, „dass wir einen Nerv getroffen haben“, so Martin.

Erfahrungen aus der ärztlichen Praxis

Die Stiftung Darmerkrankungen wurde im Jahr 2007 von spezialisierten Fachärzten aus Kiel und Hamburg gegründet. Ein Hauptziel der Stiftung ist neben der Förderung von Forschungsprojekten die direkte Unterstützung von Betroffenen im Alltag.

Ausschlaggebend waren die Erfahrungen der Gründungsmitglieder: In ihrer ärztlichen Praxis begegneten sie zahlreichen jungen Menschen, die neben den krankheitsbedingten Beschwerden sehr unter konkreten Nachteilen in Schule oder Beruf litten.

Oft das Klassenzimmer verlassen

„Zum Beispiel haben uns Patienten erzählt, dass bei Stipendienprogrammen die Frage nach einer chronischen Erkrankung gestellt wurde“, schildert Julia Martin. „Man kann vermutlich davon ausgehen, dass dies negativ ausgelegt wird.“

Nachhaltig im Gedächtnis blieb ihr auch eine Situation aus einer Schule. „Der Lehrer hatte überhaupt kein Verständnis dafür, dass der Schüler oft während des Unterrichts das Klassenzimmer verlassen musste.“

Der Fall ist typisch, findet Julia Martin. „Eine chronische Darmentzündung sieht man eben nicht von außen.“ Hier will die Stiftung ansetzen. Die Öffentlichkeit soll über die Probleme Betroffener aufgeklärt werden. Das Ziel: mehr Barrierefreiheit und weniger Tabus.

Bewerbungsschluss:
30. April 2009

Der Bewerbungsbogen zum Download und weitere Informationen über die Bewerbungsrichtlinien sind auf der Webseite der Stiftung abrufbar:
Bewerbungsbogen

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Stiftung Darmerkrankungen
c/o Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Klinische Molekularbiologie
Schittenhelmstr. 12
24105 Kiel
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