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Medizinischer Expertenservice
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Coaching im Beruf: Hilfe zur Selbsthilfe
13.07.09 - „Meine Kollegen tuscheln hinter meinem Rücken über mich“, „Ich schaffe meinen Beruf körperlich nicht mehr“, „Wie viel kann ich im Vorstellungsgespräch preisgeben, was soll ich besser verschweigen?“ Viele CED-Patienten leiden unter Problemen im Beruf: Mobbing, körperliche Einschränkungen, die Angst vor dem Wiedereinstieg nach einem langen Krankheitsschub sind einige davon. Ein Coach kann helfen, neue berufliche Perspektiven zu entdecken, sich bei der Stellensuche gut zu verkaufen oder Grabenkämpfe im Betrieb beizulegen.

Die Zeiten, in denen Coachs nur Spitzensportler oder Topmanager zum Erfolg führten, sind längst vorbei. Heute ist Coaching ein anerkanntes Mittel, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern oder zwischenmenschliche Probleme im Unternehmen zu lösen. Als neutraler „Lebensabschnittspartner“ kann ein Coach den Klienten unterstützen, sich aus einer verfahrenen Situation herauszumanövrieren oder neue Stärken an sich selbst zu entdecken.

Coaching ist „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Peter Emberger, Mitarbeiter für PR und Marketing bei ÖZIV Support. Die Initiative des Österreichischen Zivil-Invalidenverbandes (ÖZIV) bietet kostenlos Coaching für behinderte oder chronisch kranke Menschen wie CED-Patienten. Gefördert wird die Maßnahme durch das Sozialbundesamt; Voraussetzung ist ein Grad der Behinderung von mindestens 50%.

Ursachensuche

Internet-Foren zeigen, dass Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa im Berufsleben häufig mit vergleichbaren Schwierigkeiten zu kämpfen haben. So berichten Betroffene oft, dass sie von Kollegen oder Vorgesetzten als „Drückeberger“ abgestempelt werden. Besonders, weil ihre körperliche Einschränkung ja meist nicht äußerlich sichtbar ist.

Der Kärnter Coach Michael Kanduth hat die Erfahrung gemacht, dass hinter Mobbing „oft ganz einfache Ursachen“ stecken. „Häufig ist es so, dass Menschen aufgrund ihrer Behinderung bzw. Erkrankung öfters nicht zur Arbeit können. Dann muss in vielen Fällen die Arbeit von den Kollegen mitgemacht werden. Dass diese hiervon nicht begeistert sind, ist wohl erklärbar.“

Auch hätten Menschen mit Behinderung in Österreich abhängig vom Betrieb oder der Branche und dem Grad der Behinderung zum Teil mehr Urlaubsanspruch. „Dies schürt oft Neid.“ Der Coach rät deshalb zu einem offenen Umgang mit der Krankheit am Arbeitsplatz. „Hier kann man das Verständnis der Kollegen in offenen Gesprächen erhöhen und ihnen das Krankheitsbild bzw. die Folgen dieser Erkrankung verdeutlichen.

Seine Aufgabe als Coach sieht Kanduth darin, seinen Klienten so viel Selbstvertrauen zu geben, dass sie selbständig das Gespräch mit den Kollegen suchen und Missverständnisse ausräumen können.

Zwischen den Stühlen

Eine Technik aus dem Bereich der Gestalttherapie, die viele Coaches anwenden, um eine gestörte Kommunikation wieder in Fluss zu bringen, ist zum Beispiel der „leere Stuhl“. Dabei sitzt der Klient auf einem Stuhl. Vor ihm steht ein zweiter, leerer Stuhl.

Der Betroffene stellt sich nun den Chef oder den Kollegen, mit dem er Probleme hat, auf dem Platz gegenüber vor. Wie in einem Rollenspiel formuliert er im Dialog eigene Argumente und Argumente des Kontrahenten. Dabei wechselt er auch körperlich zwischen den beiden Stühlen hin und her, imitiert Mimik und Gestik des imaginären Gesprächspartners.

Durch den Rollentausch kommt zum Teil ein verblüffender Aha-Effekt in Gang. Vielleicht begreift der CED-Patient, dass sich das Team durch seine häufigen Fehlzeiten hängen gelassen fühlt. In diesem Fall ist es wichtig für die Kollegen zu erfahren, dass der Mitarbeiter nicht „krank feiert“, sondern teilweise unter 20 blutigen Durchfällen am Tag leiden kann, wenn er zuhause bleibt.

Am eigenen Leib erfahren

Der Vorteil bei ÖZIV Support: Alle Coachs haben selbst eine Behinderung oder chronische Krankheit. „Wir kennen die Probleme am eigenen Leib“, hebt Michael Kanduth hervor.

Seit dem Start im Jahr 2002 ist das Interesse an dem Angebot deutlich gestiegen, informiert der Öffentlichkeitsarbeiter Peter Emberger: „So hatten wir in Kärnten im letzten Jahr zwei bis drei Anfragen pro Tag. In diesem Jahr sind es bereits zehn bis zwölf.“

Nach der Kontaktaufnahme prüft ÖZIV Support, ob der Interessent die Teilnahmebedingungen erfüllt. Die Sitzungstermine werden je nach Bedarf individuell vereinbart, erläutert Emberger. „Man kann sich wöchentlich treffen oder auch nur alle zwei bis drei Wochen.“

Erfolgsfaktor Zeit

Im Durchschnitt begleitet Michael Kanduth seine Klienten etwa neun Monate. Gerade zu Beginn einer Maßnahme sei manchmal etwas Geduld nötig.

„Das Leben ist ein stetiger Prozess“, betont der Coach. „Nicht immer ist der Erfolg schon nach der dritten Stunde sichtbar. Es dauert ja auch eine Weile, um zum Beispiel vom ersten Stock in den Keller zu gehen. Und ebenso lange dauert es, wieder hochzukommen.“

Kontaktadresse ÖZIV Support:

ÖZIV SUPPORT
Hauffgasse 3-5
1110 Wien
Tel: +43-1-607 33 20
E-Mail: support@oeziv.org
Website

In Deutschland haben schwerbehinderte oder gleichgestellte Arbeitnehmer bzw. Arbeitsuchende die Möglichkeit, sich an den Integrationsfachdienst zu wenden. Der IFD hilft z.B. ein Fähigkeitenprofil für die Stellensuche zu erstellen oder berät bei typischen Problemen wie krankheitsbedingten Fehlzeiten oder Kommunikationsproblemen im Betrieb.
Website Integrationsfachdienst

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Coaching
Der Begriff „Coach“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kutsche“ oder „Reisebus“, aber auch Trainer oder Repetitor. Coachs verstehen sich gerne als Reisebegleiter auf Zeit. Sie wollen nicht die Probleme für ihre Klienten lösen, sondern ihnen vielmehr Werkzeuge an die Hand geben, aktuelle und künftige Probleme selbst zu lösen.

Wissenschaftler sind der Auffassung, dass die Arbeitswelt der Zukunft immer mehr Fähigkeiten zum Selbstmanagement voraussetzt. Coaching kann dazu beitragen, diese Schlüsselkompetenz zu trainieren.

Typische Fragen von CED-Patienten, die ein Coaching klären könnte, sind z.B.:
  • Welche berufliche Tätigkeit kommt für mich überhaupt in Frage?
  • Stellensuche und Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch;
  • Nach einer langen Krankheitsphase wieder Fuß im Betrieb fassen;
  • Seine Kräfte richtig einteilen in Beruf und Privatleben
  • Nein Sagen Lernen.

Wer auf dem freien Beratermarkt einen Coach sucht, sollte allerdings vorsichtig sein. Der Begriff „Coach“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Die zum Teil hohen Honorare – die Spannbreite liegt nach einer Recherche des manager-magazin zwischen 50 und 1400.- Euro pro Stunde – sind nicht immer durch eine fundierte Ausbildung gerechtfertigt. Manche selbst ernannten Berater haben gerade mal ein paar Wochenendseminare absolviert. Auch dubiose Angebote wie Astro- oder Spirit-Coaching sind auf dem Markt.

Eine gewisse Entscheidungshilfe kann die Mitgliedschaft des Beraters in einem Coachingverband bieten. Wichtig ist es, Qualitätsstandards bezüglich Länge und Dauer der Ausbildung sowie ethische Richtlinien zu vergleichen.
Coachingverbände in Deutschland sind zum Beispiel:
Deutscher Bundesverband Coaching 
Deutsche Gesellschaft für Supervision 

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