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Hochseilgärten: Abenteuerspielplatz mit Aha-Effekt
10.08.09 - Hochseilgärten liegen im Trend: Von der Waterkant bis zum Bayerwald sprießen die neuen Kletterparks aus dem Boden. Erlebnistherapeutisches Hangeln, Schwingen oder Balancieren an Tauen in luftiger Höhe soll emotionale Barrieren bewusst machen und Selbstvertrauen schenken. CED-Patienten (siehe Kasten rechts) können davon ebenso profitieren wie gestresste Manager oder hibbelige Schulklassen.

Von der Ertüchtigung zur Selbsterfahrung

Der erste Hochseilgarten stand 1875 in Frankreich. Er diente vor allem der „körperlichen Ertüchtigung“. Nachfolgemodelle wurden von den britischen Truppen im ersten Weltkrieg zur militärischen Übung genutzt.

1941 entwickelte der deutsche Reformpädagoge und Mitbegründer des renommierten Internates Schloss Salem, Kurt Hahn, die ersten erlebnistherapeutisch orientierten Klettergärten. Über Outdoorseminare in den USA schwappte die Kletterwelle wieder zurück nach Deutschland. Heute versprechen bundesweit rund 250 Do-It-Yourself-Abenteuerparks Nervenkitzel oder Selbsterfahrung.

Pushen oder Bremsen?

Zu unterscheiden sind rein touristische Kletterwälder von erlebnistherapeutischen Anlagen. Erstere werden von den Besuchern nach einer kurzen Sicherheitseinführung allein gemeistert. Sie dienen in erster Linie der aktiven Freizeitgestaltung oder dem sportlichen Ehrgeiz.

Dagegen begleiten in erlebnispädagogischen Klettergärten oder Kursen Sicherheitstrainer die Gruppen durch den Parcours. Die psychologisch ausgebildeten Kräfte helfen den Teilnehmern, anhand der Übungen Ängste oder Blockaden zu erkennen und sich auf ein neues Selbstbewusstsein einzuschwingen.

Verlange ich zu viel von mir oder könnte ich mir ruhig mehr zutrauen? Lasse ich mich von meinen Ängsten lahmlegen, bin ich zu sehr Einzelkämpfer? – Diese und ähnliche hinderliche Verhaltensmuster werden auf dem Hochseil schnell augenfällig.

Von einer gelungenen Kletterpartie kann der Besucher neue Impulse für den Alltag auf dem Boden der Tatsachen mitnehmen. Die Anregungen sehen für jeden anders aus: etwa einen Schritt nach dem anderen planen, sich auch mal fallen lassen, nicht ausklinken, Seilschaften bilden…

Gut gesichert

Die Seile, Plattformen oder Balancierbalken sind zwischen künstlich errichteten Masten oder – bei Waldseilgärten – auch von Baum zu Baum gespannt. In jedem Fall sind die Teilnehmer gesichert. Klettergurte und meist auch Helm werden von den Veranstaltern gestellt. Die Anlagen werden regelmäßig sicherheitstechnisch überprüft.

Neben den Hochseilgärten, in deren Top Zone die Besucher mehr als zehn Meter über dem Erdboden baumeln, gibt es auch Niedrigseilgärten, die zum Teil nur einen Meter hoch sind. Auch hier müssen verschiedene Bewegungsaufgaben bewältigt werden, um den Weg von Plattform zu Plattform zurückzulegen.

Häufige Übungen sind:
Hängebrücken,
  • Hangeln an Netzen,
  • Springen,
  • per Seil von einem Punkt zum anderen schwingen,
  • zwei Teilnehmer balancieren auf einem Balken und stützen sich dabei gegenseitig.

Die meisten Seilgärten haben eine Homepage, auf der sie über das Konzept der Anlage, den Parcours, Öffnungszeiten, Preise, Anfahrt, Anmeldung, Sicherheitsvorkehrungen oder ähnliche Fragen informieren. Ein unabhängiges Verzeichnis deutscher Kletteranlagen gibt es im Internet unter http://www.kletterparks.info/.

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Hochseilgarten Klinik Wollmarshöhe

Seilgarten in der Klinik Wollmarshöhe
„Handeln statt Reden“ ist das Motto der privaten psychosomatischen Klinik Wollmarshöhe in der Bodenseeregion. Das Haus unter der Leitung von Prof. Dr. med. Kilian Mehl bietet chronisch kranken Menschen wie CED-Patienten erlebnisorientierte Therapieformen wie zum Beispiel einen therapeutischen Acker oder Bogenschießen. Zum Klinikgelände gehört auch ein eigener Seilgarten, auf dem die Patienten mit therapeutischer Unterstützung psychische Blockaden aufdecken und bearbeiten können.

„In der emotional aufwühlenden Situation auf dem Seil lassen sich schnell Verhaltensmuster erkennen, die den Patienten auch im Alltag belasten und unter Umständen seine Krankheit mit bedingen“, berichtet Nicole Zerr, ausgebildete Trainerin für Erfahrungslernen und Krankenschwester. „Gerade bei Menschen mit einer chronischen Darmentzündung werden die Schübe häufig durch Stress ausgelöst. Der Klettergarten kann deutlich machen, welches Muster zu Überforderung führt.“

Rund drei Stunden dauert eine Begehung. Dazu gehört jeweils eine Vorbesprechung, in der die Patienten mit den Therapeuten ihre Ziele festlegen. Im Parcours wird immer wieder haltgemacht und gefragt. „Wie geht es mir gerade, was fühle ich?“ Und schließlich werden in einer Schlussbesprechung die gewonnenen Erfahrungen reflektiert.

„Der Seilgarten selbst ist nur ein Holzgerüst“, betont Nicole Zerr. „Es kommt darauf an, was man daraus macht.“ Entsprechend würde auch der Parcours von jedem einzelnen Patienten individuell durchlaufen. „Wir pressen niemanden in ein Schema.“

Während es für den einen Teilnehmer darauf ankomme, sich gerade mal bis zur ersten Plattform vorzutasten, müsse der andere dazu bewegt werden, zwischendurch auch zu bremsen oder innezuhalten. „Die Patienten sollen spüren: Was geht? Dadurch lernen sie, emotional für sich selbst zu sorgen“, erläutert Nicole Zerr das Konzept.

Die Klinik Wollmarshöhe behandelt Privatpatienten oder beihilfeberechtigte Patienten. Im Niederparcours oder im Hochseilgarten können auch externe Gruppen – etwa Selbsthilfeinitiativen – ein Seminar buchen.

Klinik Wollmarshöhe
Kontakt: Nicoel Zerr
Wollmarshofen 14
D-88285 Bodnegg
Telefon: 07520-9270
www.wollmarshoehe.de
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