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Medizinischer Expertenservice
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Kalte Güsse und warme Füße
02.11.09 - Für viele CED-Patienten ist der Übergang vom Herbst zum Winter eine düstere Zeit. Mangelndes Sonnenlicht und saisonale Erkältungswellen setzen Körper und Seele zusätzlich unter Druck. Dagegen hilft die Flucht nach vorne: Gezielte Kältereize stimulieren die körpereigene Infektabwehr und lindern Erschöpfungszustände. „Kleine Reize muntern auf, mittlere stärken, aber zu große schaden der Gesundheit“, stellte vor über 100 Jahren der bekannte Wasserpfarrer Sebastian Kneipp fest.

Kneippen fürs Badezimmer

Viele Kneipp-Anwendungen eignen sich als einfache Maßnahme im eigenen Badezimmer, die die Immunabwehr stärken. der Immunabwehr Der Wechsel von warmen und kalten Reizen trainiert die Gefäße, so dass sich diese schneller an Temperaturschwankungen anpassen können.

Doch Achtung: CED-Patienten sollten zuvor Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt halten. Bei akuten Entzündungen nicht mit der Therapie beginnen!

Für alle Anwendungen mit kaltem Wasser gilt: Die betreffenden Körperteile sollten zuvor warm sein. Gegebenenfalls vorher warmlaufen, warme Socken anziehen oder ein warmes Fußbad machen. Nach dem kurzen kalten Reiz sollte der Körper wieder durch Bettruhe oder Bewegung erwärmt werden.

Wechseldusche

Warm-kalte Wechselduschen stärken die Abwehrkräfte und regen den Kreislauf an. Nach dem warmen Duschen das Wasser auf kalt drehen. Den kalten Strahl mit der Handbrause in dieser Reihenfolge auf den Körper richten:
  • Rechter (herzferner) Fuß und Bein, linker Fuß/ linkes Bein, dann die Arme von rechts nach links abgießen.
  • Bauch und Rücken nur kurz berieseln (oder auslassen, wenn dies sehr unangenehm ist).
  • Wieder auf warm drehen, insgesamt dreimal wiederholen, kalt beenden.

Armbad

Ein kaltes Armbad belebt in Sekundenschnelle.
  • Waschbecken oder Waschschüssel mit kühlem Wasser füllen.
  • Arme für 10 bis 30 Sekunden bis zur Mitte der Oberarme eintauchen.
  • Wasser nur abstreifen, nicht abtrocknen.
  • So lange hin und her bewegen, bis die Arme getrocknet und vollständig warm sind.

Taulaufen/ Schneegehen
  • Vor Sonnenaufgang durch taunasses Gras oder über nasse Steine laufen. Nicht übertreiben – eine bis drei Minuten genügen.
  • Im Winter kann man auch einige Sekunden mit möglichst hohen Schritten durch den Neuschnee stapfen. Spätestens, wenn sich ein stechendes Kältegefühl einstellt, aufhören!
  • Anschließend Gras, Blätter oder Schnee abstreifen; Füße in warme Socken packen.

Wassertreten

Wassertreten in einem kalten Bergbach ist ein herrliches Erlebnis - die eigene Badewanne tut’s jedoch auch.
  • Kaltes Leitungswasser bis unter die Kniekehle einlaufen lassen.
  • Im hohen Storchenschritt auf der Stelle marschieren. Dazu jeweils eine Fußspitze ganz aus dem Wasser ziehen.
  • Bei Anfängern tritt bereits nach 10 bis 20 Sekunden ein Schmerzgefühl auf, dann beenden.
  • Geübte Wassertreter können die Anwendung ca. 60 Sekunden durchführen.
  • Wasser abstreifen, Füße warm einpacken und weiter bewegen oder etwas nachruhen.

Aufsteigendes Fußbad

Wenn der Hals zu kratzen beginnt oder sich sonst eine Erkältung ankündigt, hilft ein aufsteigendes heißes Fußbad:
  • Fußbadewanne oder großen Eimer in die Badewanne stellen und mit warmem Wasser (ca. 37 Grad) füllen.
  • Nach einigen Minuten heißes Wasser aus dem Wasserkocher nachgießen.
  • Dies während 15 Minuten mehrmals wiederholen (das Wasser läuft in die Badewanne über).
  • Noch fünf Minuten im möglichst heißen Wasser bleiben, dann ab ins warme Bett.


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Heilkraft aus dem Wasserhahn

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) ist quasi der Vater der Wellness-Bewegung. Der Storchengang durch kalte Becken und die antiquierte Sprache des Gesundheitspredigers mögen uns heute zwar etwas altbacken erscheinen. Doch die überlieferten Gesundheitsprinzipien sind hochaktuell.

„…sei nicht frevelhaft gegen deinen Körper, indem du mehr von ihm verlangst, als er zu leisten vermag, oder mit anderen Worten: Handle nicht unvernünftig gegen dich selbst!“ lautet die Botschaft des Bad Wörishofener Seelsorgers.

Licht, Luft, Wasser, Ernährung und Heilkräuter, dazu Ruhe und Bewegung im ausgeglichenen Wechsel sind die Kernstücke der Kneipp-Medizin. Viele Kurkliniken und REHA-Einrichtungen bauen heute auf die Kneippsche Ordnungslehre.

Wer gesund bleiben will, muss „Ordnung“ in sein Leben bringen. Oder – neudeutsch: Stress abbauen, Körper und Seele ins Lot bringen, Work-life-balance halten. In den USA gilt Kneipp, der sich als junger Mann mit Tauchbädern in der kalten Donau selbst von einer schweren Lungentuberkulose kurierte, jedenfalls längst als „father of wellness“.


Buchtipps

Hans-Dieter Hentschel/ Bernhard Uehleke: „Das große Kneipp-Gesundheitsbuch: Mehr als nur Wassertreten - die 5 Behandlungsprinzipien. Vitalität und Wohlbefinden aus der Natur“ Haug Sachbuch 2006, 3. Aufl.

Robert Michael Bachmann/ German M. Schleinkofer: „Natürlich gesund mit Kneipp: Wie Sie fit und schön bleiben: über 60 einfache Wasser-Anwendungen für Ihr Wohlbefinden“. Trias 2006, 4. Aufl.
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