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Ich bin etwas wert!
08.02.10 - Er hatte gerade das Abi-Zeugnis in der Hand, war zusammen mit seiner Freundin zum Studium nach Heidelberg gezogen. „Ich machte mir riesige Hoffnungen“. erzählt der 24jährige Daniel. Von Jugend an stand sein Berufswunsch fest. „Ich wollte Lehrer werden.“ Doch bevor der angehende Gymnasiallehrer für Deutsch und Latein richtig durchstarten konnte, kam der Tiefschlag: Ein Arzt stellte fest, dass Daniel an Colitis ulcerosa leidet.

Es begann mit unspezifischen gesundheitlichen Problemen: „Ich war immer unglaublich müde.“ Der Allgemeinarzt vermutete Eisenmangel, möglicherweise durch Blutverlust. Eine Stuhlprobe wies auf Darmblutungen hin. Schließlich ergab die Darmspiegelung bei einem Gastroenterologen die Diagnose Colitis Ulcerosa.

„Danach bin ich erstmal in ein richtiges Loch gefallen“, schildert der 24jährige. Rund eineinhalb Jahre war an ein regelmäßiges Studium nicht zu denken. Daniel befand sich mitten im Schub. Eine Pancolitis, eine Entzündung des gesamten Dickdarmes, wurde festgestellt.

Klick gemacht!

Eine Kur in einer psychosomatischen Klinik brachte die Wende. „Da hat es Klick gemacht!“, erinnert sich Daniel. „Mir wurde klar, dass ich mich im Uni-Umfeld von Anfang an unwohl gefühlt habe. Die Massenvorlesungen, die Art von Didaktik, die hohe Eigenverantwortung, das war nichts für mich.“ Allmählich begann er nach einer neuen beruflichen Perspektive zu suchen, führte Gespräche zur Berufsorientierung bei der Arbeitsagentur.

Schließlich brachte ihn ein Tipp seiner Freundin auf eine ganz neue Idee: „Ich wollte immer noch einen sprachbezogenen Beruf. Da fragte meine Freundin, ob ich nicht Logopäde werden will. Ich wusste bis dahin gar nicht, was das ist.“

Ein Praktikum in einer Sprachheilpraxis überzeugte Daniel. Er bemühte sich um einen Ausbildungsplatz an einer privaten Fachschule für Logopädie und erhielt die Zusage. Der Nachteil: die teuren Schulgebühren. Daniel ist Vollwaise und lebt von einer Waisenrente, darüber hinaus unterstützen ihn Verwandte.

Doch die Bewerbungsfrist an den staatlichen Schulen war zu dieser Zeit gerade abgelaufen und für Daniel war es wichtig, bald einzusteigen. Außerdem wollte er in Heidelberg bleiben – in der Nähe seiner Freundin, die dort studiert.

Neue Perspektiven

Der berufliche Umstieg und ein neues Medikament – Daniel nimmt mittlerweile das Immunsuppressivum Methotrexat – brachten auch eine entscheidende gesundheitliche Besserung. „Mir geht es mittlerweile ziemlich gut“, berichtet Daniel. „Ich kann meinen Alltag regeln, ich kann weggehen, Konzerte besuchen und Spaß haben. Natürlich gibt es auch Tage, an denen das nicht möglich ist. Aber die kann ich weitestgehend einschätzen.“

Und schließlich drückte Daniels Gastroenterologe ihm eine Broschüre in die Hand: die Stipendienausschreibung der Stiftung Darmerkrankungen.

„Ich dachte mir, wenn ich jemals ein Stipendium bekomme, dann dieses“, erinnert sich der Logopädieschüler. Und tatsächlich: Schneller als erwartet, traf der Brief bei ihm ein. Daniel war zusammen mit 12 weiteren Kandidaten unter rund 150 Bewerbern ausgewählt worden. Die Stiftung Darmerkrankungen übernimmt nun die Schulgebühren für sein letztes Schuljahr.

Freudenschreie

Eine wunderbare Nachricht für den Empfänger: „Das war echt der Hammer, ein Super Augenblick. Ich bin durch die Wohnung gerannt und habe geschrien vor Freude.“ Für Daniel zählt nicht nur die Tatsache, dass er die kostspielige Ausbildung nun zum großen Teil selbständig finanzieren kann. „Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich trotz meiner Erkrankung etwas wert bin.“

Außerdem hatte der 24jährige bislang noch kaum Kontakte zu anderen CED-Patienten. Deshalb ist für ihn auch der Austausch mit den anderen Stipendiaten eine wichtige Erfahrung.

Die Stiftung Darmerkrankungen unterstützt mit ihrem ersten Förderprogramm unter anderem einen jungen Pianisten, der an einer Meisterklasse in den USA teilnimmt. Einer Informatikstudentin wird ein Auslandssemester in Irland ermöglicht. Und eine junge Buchhalterin kann sich zur Bilanzbuchhalterin weiter qualifizieren.

Mutmacher

Dabei fiel es den Verantwortlichen des Förderprogramms nicht leicht, eine Auswahl unter den eingegangenen Briefen zu treffen. „Wir hätten am liebsten alle Bewerber gefördert“, sagt Dr. Tanja Kühbacher, Stiftungsvorstand der Stiftung Darmerkrankungen. Doch die Beispiele der Kandidaten, die es mit ihrem Vorhaben geschafft haben, zeigen: Träume sind dazu da, um sie zu leben.

Daniel denkt inzwischen sogar wieder über ein Universitätsstudium nach. „Da gibt es einen Studiengang Lehr- und Forschungslogopädie in Aachen.“ Zwar ist er sich noch nicht ganz sicher, ob er diesen Weg tatsächlich einschlagen will. Denn dazu müsste er von Heidelberg wegziehen, sein vertrautes Umfeld und die Lebensgefährtin zeitweilig verlassen. „Vielleicht will ich auch erstmal arbeiten, das wäre ebenfalls schön“, will sich der 24jährige vorerst nicht festlegen.

Doch er hat erfahren, dass ihm viele Türen offen stehen.
Auch mit Colitis Ulcerosa!

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Geförderte Aus- und Weiterbildung

Die Stiftung Darmerkrankung vergibt 2010 wieder Stipendien. Diesmal richtet sich das Programm speziell an junge Menschen mit Morbus Crohn zwischen 18 und 35 Jahren. Gefördert werden mindestens zehn Bewerber mit einer Gesamtstipendiensumme von 100.000 Euro. Förderbar sind individuelle Aus- und Weiterbildungsprojekte in allen Bereichen. Bewerben können sich Schüler, Auszubildende, Studierende oder Berufstätige.

Bewerbungsschluss: 31. März 2010.

Benötigt werden folgende Unterlagen:
- formloses Anschreiben
- Skizze des individuellen Aus- oder Weiterbildungsvorhabens
- tabellarischer Lebenslauf
- Bescheinigung des behandelnden Facharztes
- ausgefüllter Bewerbungsbogen.

Der Bewerbungsbogen und alle wichtigen Informationen zu den Bewerbungsrichtlinien sind auf der Webseite der Stiftung abrufbar.
Infos zum Stipendienprogramm

Die Stiftung Darmerkrankungen wurde 2007 von verschiedenen auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen spezialisierten Fachärzten und Forscher gegründet. Zu den Zielen gehört neben Ursachenforschung und der Förderung von innovativen Behandlungswegen auch die Unterstützung von CED-Patienten in ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung.


Bewerbungsadresse
Stiftung Darmerkrankungen
z.H. Julia Martin
c/o Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Klinische Molekularbiologie
Niemannsweg 13-17 (Haus 3)
24105 Kiel


Spendenkonto
Kontonummer 1261 155 756
Hamburger Sparkasse, BLZ: 200 505 50
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