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Von Clowns, Gipfelstürmern und Schmuddelrockern
„Bye, bye valve“ (Tschüss Dickdarmklappe), singt der schmale Mann mit der roten Clownsnase zur schwungvollen Melodie der Everly Brothers.
„Bye, bye, intestine/” (Tschüss Darm)
“Hello modern medicine/”(Hallo, moderne Medizin)
I think I’m gonna cry…“ (Ich glaub, ich muss gleich weinen…)

14.05.10 - Wenn der 38jährige Crohn-Patient mit einer Ein-Mann-Show über seine Krankheit auf die Bühne geht, dann bleibt kein Auge trocken. Doch es sind keine Tränen des Mitleids, sondern Lachtränen. Die humorvolle Show verrät weniger Schmerz als innere Größe. So wie viele andere Beispiele von Betroffenen, die zeigen, wie Menschen unter schweren Lebensbedingungen über sich hinauswachsen können.

Helden gesucht

Helden des Alltags sind derzeit voll im Trend; Menschen, die im Zeitalter der Casting-Shows nicht die Winner sein wollen, sondern ohne großes Gewese Bemerkenswertes vollbringen. Dazu zählen auch zahlreiche CED-Patienten weltweit. Allen körperlichen Einschränkungen zum Trotz machen sie mit originellen Aktionen die Öffentlichkeit auf ihre Anliegen aufmerksam, bezwingen die höchsten Gipfel oder sammeln Spendengelder für die CED-Forschung.

Einer von denen, die durch ihr Beispiel Mut machen, ist der Kleinkünstler Jonathan Mirin. Er hat gerade ein vielbeachtetes Theaterstück über „seinen“ Morbus Crohn geschrieben und in Boston uraufgeführt. „28 Fuß“ lautet der Titel – so lang ist Jonathans Darm heute nach einem chirurgischen Eingriff. Ein Fuß, rund 30 Zentimeter, entzündetes Darmgewebe musste entfernt werden.

Lachen ist die beste Medizin

Trotz des ernsten Themas ist das Stück in erster Linie komisch und clownesk. Ganz nach dem Motto „Lachen ist die beste Medizin“ schlüpft der Darsteller in 20 verschiedene Rollen (inklusive Puppentheaterinszenierung einer Koloskopie). Der Autor nennt es eine Geschichte darüber, „wie man krank wird, sich besser fühlt und dabei erwachsen wird“. Er selbst verzichtet seit der OP auf Zucker und Weizen, versuchte Meditation und pflanzliche Heilmittel und ist nun seit 10 Jahren schubfrei.

„Ich wollte anderen, die an einer chronischen Krankheit leiden, zeigen, wie man allmählich lernt, damit zu leben“, berichtet der Künstler. Zahlreiche Reaktionen von begeisterten Zuschauern beweisen, dass dieses Konzept aufgegangen ist. Demnächst geht Jonathan auf Tournee, die ihn bis nach Helsinki führen wird.

Mit 10 beim Wohltätigkeitsmarsch

Wie man den Kopf oben behält und nach vorne schaut, davon kann auch die zehnjährige Kaitlyn erzählen. Vor eineinhalb Jahren wurde bei der Grundschülerin aus Sioux Falls in South Dakota Colitis Ulcerosa festgestellt.

Heute geht es Kaitlyn dank medikamentöser Behandlung und einer faserarmen Ernährung besser. Stolz marschiert sie nun an der Spitze der alljährlichen Wohltätigkeitswanderung in ihrer Heimatstadt, um im Namen der US-amerikanischen Crohn und Colitis Stiftung CCFA Gelder für Forschung und bessere Behandlungsmöglichkeiten zu sammeln.

Zeichen setzen

Auch der 17jährige Kanadier Clinton Shard lässt sich von seinem Morbus Crohn nicht am Boden halten. Nachdem er im Vorjahr den Kilimandscharo erklommen hat, wagte er sich jetzt bis ins Basislager des Mount Everest, rund 5300 Meter über dem Meeresspiegel. Mit diesem Beispiel will er anderen jungen CED-Patienten vorleben, sich nicht von ihren Träumen abbringen zu lassen.

Ein prominenter Crohn-Patient ist der Leadgitarrist von Pearl Jam, Mike McCready. Anders als viele seiner Berufskollegen macht der Schmuddelrocker nicht nur mit Sex und Drugs Schlagzeilen, sondern schlägt jedes Jahr bei einem Wohltätigkeitskonzert für ein Kinderferienlager der CCFA in die Saiten.

Ein Zeichen setzen will auch der Engländer James Bonell. Er paddelt derzeit rund um die britische Hauptinsel. 3.000 Seemeilen, also ca. 5.500 Kilometer lang ist die geplante Kajaktour. Bonells Ziel ist es, 10.000 britische Pfund für die nationale Crohn und Colitis Vereinigung NACC zu sammeln, denn seine Schwester hat Morbus Crohn.

Stille Helden

Nicht zu vergessen die vielen, die rund um die Welt täglich ihrer Krankheit die Stirn bieten, die, weniger medienwirksam, aber ebenso präsent im Stillen ihren Mann oder ihre Frau stehen, anderen Betroffenen durch ihr Vorbild helfen und sich selbst immer wieder aufrappeln, wenn sie am Boden liegen. Sie alle sind wahre Helden des Alltags.

Mehr über…

... Jonathan Mirin und die Piti Theater Kompanie

… den Sioux Falls Walk

…die Everest-Tour von IDEAS

…die britische Kajakumrundung

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