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Bestnote 15 Punkte!
28.10.11 - Höchste Anerkennung erntete ein 17jähriger Gymnasiast für seine Facharbeit zum Thema Morbus Crohn. Für seine „Spitzenleistung“ erhielt er neben der Bestnote 15 Punkte (umgerechnet eine 1+) sogar eine besondere Auszeichnung des Lions Clubs. Doch für David P. (Name von der Redaktion geändert) ist die Auseinandersetzung mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung nicht nur eine wissenschaftliche Frage, sondern ein Lebensthema. Er leidet selbst an Morbus Crohn. „Das Facharbeitsthema habe ich gewählt, um anderen Menschen diese eher unbekannte Krankheit nahezubringen“, erzählt er.

„Mir persönlich hilft es, wenn andere wissen, was für Symptome zu der Erkrankung gehören, so dass man besser verstanden wird und sich nicht immer rechtfertigen muss“, erläutert der Oberstufenschüler die Beweggründe der Themenwahl. Hinter ihm liegt ein langer Leidensweg. Entdeckt wurde der Crohn vor rund zwei Jahren. David, damals noch in der 10. Klasse, kämpfte wochenlang mit täglich 10 bis 15 Durchfällen, Blut im Stuhl und starkem Gewichtsverlust. Auch nachdem die Diagnose gestellt war, dauerte es noch einmal fast ein Jahr, die richtige Behandlungsmethode zu finden.

Standardtherapien versagten

„Kortison wirkt bei mir überhaupt nicht. Auch alle anderen Standardtherapien mit einem Immunmodulator oder einem Aminosalicylsäurepräparat haben versagt“, erzählt der 17jährige. „Das ist schon ein doofes Gefühl, man ist irgendwie machtlos, obwohl man doch Medikamente nimmt.“ Im Sommer 2010 musste David nach einer Darmperforation notoperiert werden; ein 30 cm langes Stück Dickdarm wurde entfernt.

„Zum Glück war der Zusammenbruch in den Ferien“, berichtet der 17jährige. Mitten in der Zielgeraden aufs Abitur wollte er sich schulisch nicht ausbremsen lassen – trotz drei schwerer Schübe in einem Jahr: „Ich habe mich eigentlich immer in den Unterricht gequält, außer ich lag im Krankenhaus.“ Mit Erfolg: „Im Moment bin ich der Zweitbeste meines Jahrgangs.“

Weiterbildung im Krankenhaus

Anfang 2011 wurde endlich auch eine wirksame Therapie mit einem TNF-alpha-Inhibitor gefunden. Nun ist er seit acht Monaten schubfrei. Die Zeiten in der Klinik nutzte David, um möglichst viel über seine Erkrankung zu erfahren: „Ich habe mich im Krankenhaus immer weitergebildet, viel gelesen, die Ärzte gefragt. Mir persönlich hilft es sehr, zu wissen, was ich habe, und nicht im Unklaren zu sein, was mit mir passiert.

So musste er für seine wissenschaftliche Arbeit im sogenannten Seminarfach (ein Kurs zur Vorbereitung wissenschaftlichen Arbeitens) im Grunde „nur aufschreiben, was ich sowieso schon wusste und dazu passende Quellen heraussuchen“, erzählt der 17jährige. Und das gelang ihm mit Bravour in allen bewerteten Bereichen. Für Sprache, Inhalt und Form erzielte er als Gesamtnote 15 Punkte, die beste Leistung unter mehr als 100 Mitschülern.

Informationen aus erster Hand

Die rund 20 Seiten lange Darstellung bietet einen umfassend angelegten Überblick von den Grundlagen des menschlichen Verdauungssystems über Entzündungskrankheiten im Allgemeinen bis hin zum derzeitigen Erkenntnisstand über Morbus Crohn; über Ursachen, Symptome, Diagnose, neue Therapiemethoden und die Remission. Eigene Krankheitserfahrungen, zum Beispiel mit den Nebenwirkungen von Medikamenten, werden als ergänzende Informationen zur Literaturrecherche kurz und sachlich eingebracht:

Zum Schluss zieht der Verfasser sein persönliches, positives Fazit: „Außerdem steht die Forschung in dem Bereich Autoimmunerkrankungen und Morbus Crohn nicht still. Für erkrankte Patienten gibt es daher gute Gründe, auf eine potentielle Heilung ihrer chronischen Erkrankung oder zumindest eine immer besser werdende Behandlung zu hoffen.“

Vorstellungsgespräch in Sicht

Ähnlich unerschrocken klingt es auch, wenn David von seinen weiteren Lebensplänen – mit dem Crohn im Hinterkopf – erzählt. „Früher wollte ich mal Lehrer werden... Nicht dass die Krankheit alle meine Pläne umgestoßen hätte. Aber ich habe ein Praktikum in einer Grundschule gemacht und kann mir jetzt einfach nicht mehr vorstellen, mein ganzes Leben damit zu verbringen.“

Als der künftige Abiturient eine Annonce für ein duales Studium im Bereich Finanzwirtschaft entdeckte, schickte er sofort seine Bewerbungsunterlagen ein. „Das ist eigentlich perfekt. Ich mag Mathematik sehr“ - David hat als Leistungskurse Mathematik, Chemie und Physik gewählt. „Außerdem ist die Arbeit körperlich nicht so belastend und es ist eine sichere Stelle.“

Die erste Hürde, ein Eignungstest, ist bereits genommen. Bleibt zu hoffen, dass der 17jährige auch im demnächst stattfindenden Vorstellungsgespräch mit seinem Leistungsvermögen offene Türen findet.

Ablenken und Abschalten

Mit Abistress, Berufswahl und Crohn könnte der Schüler voll ausgelastet sein. Doch David hat daneben sogar noch die Zeit, sich ehrenamtlich in seiner Kirchengemeinde zu engagieren. So begleitete er in den Herbstferien zum Beispiel als Betreuer eine Konfirmandenfreizeit oder hilft, Kindergottesdienste vorzubereiten.

„Die Arbeit in der Kirchengemeinde tut mir gut“, erzählt der 17jährige. „Es ist eine Ablenkung wenn es mir mal schlechter geht. Außerdem kenne ich dort viele tolle Menschen, die mich unterstützen, und vor denen mir nichts peinlich sein muss.“

Nur das Fußballspiel im Verein musste der 17jährige mittlerweile aufgrund der höheren Stundenzahl in der Schule aufgeben. „Aber dafür mache ich ja in der Schule einen Fußballkurs.“

Und das ist gut so, denn damit lebt David die Erkenntnisse, die er auch in seiner Facharbeit darstellt: Neben „einem gesicherten sozialen Umfeld, von dem man auch in schlechten Phasen aufgefangen werden kann“, spielt Sport eine wesentliche Rolle bei der Verlängerung der Remissionsdauer: „Sei es zur Stressbewältigung oder einfach nur, um an die Luft zu kommen und abzuschalten.“

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