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Medizinischer Expertenservice
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Wo Vertrauen ist, da ist ein Weg
Die Sexualität ist eins der schwierigsten Themen für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Tatsächlich machen es die Symptome und Begleiterkrankungen eines Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa manchmal schwer, beim Date dem oder der anderen unbefangen gegenüberzutreten, später auch körperliche Nähe aufzubauen und intim zu werden. Die allermeisten Patienten sind aber sehr wohl in der Lage Sex zu haben. Probleme entstehen in der Regel im Kopf.

Lustbremsen
  • Bei jungen Patienten, können Ernährungsmängel oder der Einsatz von Glukokortikoiden das Wachstum und die Entwicklung verzögern. Betroffene sind dann kleiner und leichter als ihre Altersgenossen. Bei Mädchen setzt beispielsweise die Regel später ein als bei ihren Freundinnen, Jungen haben eventuell noch keinen Stimmbruch oder keine Schambehaarung. Allerdings entwickeln sich Kinder und Jugendliche ohnehin verschieden schnell, ob gesund oder nicht. Und die allermeisten CED-Patienten holen ihren Rückstand später wieder auf.
  • Kontrollverlust: Andauernder Stuhldrang kann ganz schön verunsichern, und erst recht die Angst davor, die Toilette nicht mehr rechtzeitig zu erreichen.
  • Medikamente: Glukokortikoide können auf hormoneller Ebene als Lustkiller wirken.
  • Erschöpfung macht ebensowenig Appetit auf Sex.
  • Selbstbildnis: Manche CED-Patienten haben ein negatives Bild von sich selbst. Aufhänger dafür kann beispielsweise ein künstlicher Darmausgang (Stoma) sein. Wer sich aber selbst nicht attraktiv findet, kann schwer auf andere zugehen.
  • Fisteln und Abszesse können beim Geschlechtsverkehr durchaus Schmerzen verursachen

Typisch für dieses Thema ist, dass bei beiden Partnern negative Assoziationen entstehen, die sich gegenseitig verstärken. Der eine fühlt sich zurückgewiesen, und nimmt’s persönlich. Der andere bemerkt den Ärger und gerät unter Druck. Wichtig ist, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Dessous über’m Stoma
Der erste Schritt ist, die Erkrankung zu akzeptieren, sich aber zu vergegenwärtigen, dass sie nur einen Teil der Persönlichkeit ausmacht. Für das Selbstbildnis ist es wichtig, den gesamten Menschen zu betrachten und wieder Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Der zweite Schritt ist Offenheit. Wer seine Leichen im Keller liegen lässt, muss damit rechnen, dass der Partner früher oder später darüber stolpert und entsetzt ist. Man muss ja nicht beim ersten Treffen alle Karten auf den Tisch legen, hier ist ein gewisser Schutz sicher angebracht. Partner sollten aber vertrauensvoll ihre Wünsche und Abneigungen äußern und darüber sprechen was möglich ist. Und das ist eine ganze Menge.

Kuscheln, Necking, Petting etc. – mit etwas Fantasie lassen sich Zärtlichkeiten auf viele Arten austauschen und einige Hindernisse überwinden. So berichtete die Teilnehmerin eines CED-Forums, sie würde ihr Stoma mit Dessous abdecken.

Wenn mal ganz harte Zeiten anbrechen, hilft es sich zu vergegenwärtigen, dass man in einer Partnerschaft schließlich etwas mehr teilt als das Bett - Träume, Projekte, Ansichten. Wo die nicht übereinstimmen, ist sicher nicht die Erkrankung schuld, wenn die Beziehung scheitert.

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